Aufstand in der Brick Lane in Londons "Banglatown"

17. August 2006, 14:21
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Bestsellers von Monica Ali kann nicht in der Straße verfilmt werden, in der Roman spielt: Bewohner fühlen sich verunglimpft und beleidigt

London - Die Brick Lane im Osten Londons ist das Zentrum der Einwanderer aus Bangladesch. Die Straßenschilder sind zweisprachig, Restaurants bieten Curry-Gerichte an, in den Schaufenstern liegen traditionelle Saris. Die Straße in "Banglatown", wie der Stadtteil Tower Hamlets genannt wird, ist aber auch über London hinaus bekannt - durch Monica Alis Bestseller "Brick Lane" aus dem Jahr 2003. Jetzt wird das Buch verfilmt - und wieder gibt es Streit.

Das East End gilt seit jeher als eine der ärmsten Gegenden der britischen Hauptstadt. Seit Jahrhunderten schon siedeln sich hier Einwanderer an, die zu niedrigen Löhnen am Hafen oder in der Industrie schuften. Am meisten ist auf der Brick Lane am Wochenende los, wenn dort ein großer Markt stattfindet. Aber auch unter der Woche kommen inzwischen die Touristen und suchen einen Teil von Nazneens Welt, der Hauptfigur des Romans.

Die 19-jährige Nazneen kommt aus Bangladesch, um mit dem doppelt so alten Chanu, den sie noch nie gesehen hat, zwangsverheiratet zu werden. Das Buch schildert ihr Schicksal ebenso wie das Leben in der bengalischen Exil-Gemeinde. Mit "Brick Lane" wurde Ali gewissermaßen über Nacht zur Bestseller-Autorin. Der Debütroman brachte ihr zudem eine Nominierung für den renommierten Booker Prize ein.

Straßenblockaden angedroht

Doch es gab auch jede Menge Kritik. Die Bewohner der Brick Lane fühlten sich ungerecht dargestellt und nannten das Buch eine "abscheuliche Beleidigung". Jetzt, bei der Verfilmung, wiederholt sich der Streit. Die Produktionsfirma Ruby Films zog ihren Plan, am Ort zu drehen, wegen der Proteste bereits zurück. Einige Händler und Anrainer hatten gedroht, die Dreharbeiten mit Straßenblockaden und sonstigen Aktionen zu stören. Gedreht wird nun anderswo. Der Film soll dennoch wie geplant im Herbst 2007 in die Kinos kommen.

"Sie hat uns beleidigt"

Die Anrainer ärgern sich vor allem darüber, dass Ali - Tochter einer Britin und eines Bengalen, geboren 1967 in Bangladesch, seit 1970 in Großbritannien lebend - ihr Leben "wie eine Fremde" schildert: "Sie ist keine von uns. Sie hat nicht mit uns gelebt. Sie weiß nichts über uns, aber sie hat uns beleidigt", sagte Abdus Salique, der Wortführer der Kampagne, der Tageszeitung "The Guardian". "Wir wollen keinen Film, der unsere Gemeinschaft herabsetzt."

Rufschädigend: Blutegel im Currytopf

Dabei geht es vor allem um die Sylheti, die in Großbritannien 95 Prozent der Immigranten aus Bangladesch ausmachen. Die Anrainer stören sich an Aussagen Chanus, der die Sylheti als unsauber, ungebildet und unzivilisiert bezeichnet. Sie zitieren eine Szene, in der einer bengalischen Frau beim Kochen ein Blutegel in den Currytopf fällt. "Was hat das für Folgen für unsere Geschäfte und unseren Ruf?", fragt Mohammed Tahir Ali, der Verwalter einer Moschee.

Allerdings ist es längst nicht so, dass sich das ganze Viertel in Aufruhr befindet. Zu einer Demonstration gegen die Dreharbeiten kamen nur etwa 70 Nachbarn. Monica Ali kennt die Vorwürfe. Es sei kindisch, die Meinungen ihrer Charaktere für die ihrigen zu halten, sagte die 38-Jährige der "Times".

Rushdie fordert Dreh in der Brick Lane

Was zunächst nur ein Streit zwischen Anrainern und einer Produktionsfirma war, beschäftigt inzwischen auch den Literaturbetrieb. Der Schriftsteller Salman Rushdie forderte zusammen mit anderen Autoren, den Film wie geplant in der Brick Lane zu drehen. Diejenigen, die "überreagiert" hätten, sollten "ihre Fehler eingestehen". "Es gibt in und um die Brick Lane keine große Aufregung um den Film", meint Rushdie. Einige aus der Nachbarschaft sehen das anders. Sie wollen weiter protestieren. (APA/dpa)

  • Artikelbild
    foto: standard/frank herrmann
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