Apple zeigt Microsoft mit "Leopard" die Krallen

2. Jänner 2007, 08:42
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Steve Jobs kündigt fünfte Überarbeitung des Betriebssystems in fünf Jahren an - Neue Version kommt aber nicht vor "Windows Vista"

Der Softwaregigant Microsoft hat den Wettkampf gegen Apple Computer im PC-Markt eigentlich bereits in den 90er Jahren klar gewonnen. Das Microsoft-Programm Windows 95 und seine Nachfolgersysteme drängten damals den Apple Macintosh in eine kleine Marktnische. Über 95 Prozent aller Personal Computer laufen heute weltweit mit Windows. Doch seit zwei Jahren wachsen die Marktanteile von Apple wieder. Der überwältigende Erfolg des Musikplayers iPod sowie der nun erfolgreich abgeschlossene Übergang auf die Plattform des Chipherstellers Intel haben den Apple Macintosh wieder auf eine Route gebracht, die aus der Nische herausführen könnte.

Microsoft-Maschine geriet ins Stottern

Die von Bill Gates und Steve Ballmer über Jahre hinweg so erfolgreich angetriebene Microsoft-Maschine geriet dagegen in jüngster Zeit bei der Einführung des neuen Windows-Systems "Vista" ins Stottern. Das Vorgänger-System Window XP hat bereits fünf Jahre auf dem Buckel - in der IT-Branche eine Ewigkeit. Die Entwickler mussten monatelang Sicherheitslücken in der Windows-Software stopfen, anstatt sich der Erneuerung der Windows-Architektur widmen zu können. Nach zahlreichen Verzögerungen soll "Vista" zum Jahresende für die Unternehmen auf den Markt kommen, die Version für private Anwender dann im Anfang 2007.

Salz in die Wunden

Apple-Chef Steve Jobs streute am Montag auf dem Entwicklerforum WWDC in San Francisco Salz in die Wunden seines Wettbewerbers: Apple habe in diesen fünf Jahren fünf neue Versionen seines Betriebssystem Mac OS veröffentlicht und außerdem den Umstieg auf die Chips von Intel bewältigt. "Unsere Freunde im Norden (in Redmond im US-Bundesstaat Washington, Anm.) geben (jährlich) fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Und trotzdem scheinen sie nur Google und Apple zu kopieren. Ich glaube, das beweist, dass Geld nicht alles ist."

"Mac Pro"

Der US-Computerkonzern Apple hatte am Montag ein Jahr nach der Ankündigung des Umstiegs auf Chips von Intel den größten Systemwechsel seiner Geschichte abgeschlossen. Auf der Entwicklermesse WWDC in San Francisco stellte Jobs den Computer "Mac Pro" vor, der das bisherige Profimodell Power Mac G5 ablöst. Damit sind alle Rechner von Apple auf Intel-Prozessoren umgestellt. Gleichzeitig kündigte der kalifornische Technologiekonzern an, im Frühling 2007 eine neue Version seines Betriebssystems Mac OS X auf den Markt zu bringen.

Mit dem neuen Betriebssystem Mac OS X "Leopard" setzt Apple nun erneut zum Sprung nach vorne an. Auf großen Transparenten im Moscone Center in San Francisco wurde das neue Apple-System ironisch als "Vista 2.0" beworben. So wird Apple mit "Leopard" das neuartige Backup-System "Time Machine" einführen, mit dem die Anwender nicht nur ihre Daten sichern, sondern sich quasi wie mit einer Zeitmaschine in ihren aktuellen und alten Datenbeständen bewegen können. "Während Microsoft versucht, die Version von Mac OS X zu kopieren, die wir schon vor Jahren ausgeliefert haben, machen wir mit Leopard einen weiteren Sprung nach vorne", stichelte Jobs.

Richtig großer Coup verpasst

Den richtig großen Coup hat Apple nach Ansicht etlicher Experten aber verpasst, nämlich "Leopard" noch vor Windows Vista auf den Markt zu bringen. "Hätten sie (Apple) das neue System noch in diesem Herbst ausgeliefert, dann hätte sich eine Riesenchance ergeben", sagte Bob O'Donnell, Analyst des US-Marktforschungsunternehmens IDC.

"Wenn der Kurs steigen soll, muss man die Investoren überraschen."

Vor der Computer-Messe ind San Francisco war im Internet außerdem spekuliert worden, dass Apple zur WWDC außerdem neue Modelle seines Musikplayers iPod oder ein Handy ("iPhone") präsentieren werde. Nachdem diese Ankündigungen ausblieben, gab der Kurs der Apple-Aktie am Montag in New York um 1,6 Prozent nach. "Apple hat genau das angekündigt, was die Leute erwartet hatten", sagte Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray. "Wenn der Kurs steigen soll, muss man die Investoren überraschen." (APA/dpa)

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