Dornbirn-London-Peking und zurück

7. August 2006, 19:58
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Firmenchefs müssen ihren Mitarbeitern erklären, warum heute ein gesunder Mix von Hoch- und Niedrigstandorten sein muss. Das Beispiel Zumtobel

Dornbirn/Wien - "Die internenen Diskussionen waren nicht immer einfach", sagt Zumtobel-Vorstandschef Andreas Ludwig im Gespräch mit dem Standard, "wir mussten den Mitarbeitern erst vermitteln, dass wir die Beschäftigung in Europa nur halten können, wenn wir in der Produktion einen vernünftigen Mix aus Hochlohn- und Niedriglohnstandorten haben", sagt der Finanzexperte, der seit 2003 den Vorarlberger Beleuchtungskonzern leitet und der heuer im Frühsommer den Börsegang des ehemals reinen Familienunternehmens über die Bühne gebracht hat.

Zumtobel hat sich für internationale Expansion entschieden und im Jahr 2000 den englischen Leuchtenhersteller Thorn gekauft. Und sich dabei fast auch selbst übernommen (die Investoren von Kravis Kohlberg Roberts & Co sprangen schließlich rettend ein). In der Folge war eine radikale Neustrukturierung vonnöten. Dabei mussten auch einige Standorte in Westeuropa geschlossen werden: Ein dänisches Werk wurde aufgelassen, ein französisches verkauft, eines in Tettnang am Bodensee wird bis Herbst geschlossen, wenn eine neue rumänische Fabrik den Betrieb aufnimmt. In China wird bereits seit 2005 produziert.

"Ziel ist, dass 50 Prozent der Wertschöpfung in eigenen Werken in Hochlohnländern verbleiben. Derzeit sind es aber noch 80 Prozent", sagt Ludwig. Die Stimmung im Haus sei unter den Mitarbeitern in Dornbirn deswegen nicht immer die beste, gibt der Konzernchef zu. "Die öffentliche Meinung ist eher verängstigt." Trotzdem könne die Beschäftigung nun gehalten werden. Wenn die Gruppe auch weiter wächst.

Warum bleibt man, abgesehen von Aktivitäten in Forschung und Entwicklung, überhaupt noch in Hochlohnländern wie etwa Vorarlberg? Ludwig: "Weil wir in unserem Geschäft schnell, verlässlich und flexibel liefern müssen. Und das geht aus China nicht." Beispiel sei der neue Terminal Five am Flughafen London-Heathrow, eines der Prestigeprojekte Zumtobels. Der exakte Termin für die Anlieferung der Beleuchtungskörper sei bisher bereits x-mal verschoben worden, berichtet Ludwig, einfach deswegen, weil Möbel und Licht als Letztes in ein Gebäude eingebaut werden. Verschiebt sich am Beginn der Planungskette etwas, dann ist der Beleuchtungslieferant fast immer automatisch auch betroffen. Und muss dementsprechend flexibel reagieren können.

Ausgelagert in Niedriglohnländer werden hingegen jene Komponenten, die fast schon Rohstoffcharakter haben, also jene Leuchten, die tausendfach verbaut werden. Weiters wird in China sehr viel für den lokalen Markt hergestellt, leicht "abgespeckte" Versionen der Zumtobel-Produkte (die dort laut Ludwig deswegen noch immer als absolute Premium-Produkte gelten). Zumtobel profitiere - so wie derzeit eine Vielzahl westlicher Firmen - vom Bauboom vor den Olympischen Spielen 2008. Und davon profitiere wiederum: Dornbirn. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2006)

  • Die Beleuchtung für das Veranstaltungshaus Wales Millennium Centre in Cardiff stammt von der 2000 übernommenen britischen Zumtobel-Tochter Thorn.
    foto: zumtobel

    Die Beleuchtung für das Veranstaltungshaus Wales Millennium Centre in Cardiff stammt von der 2000 übernommenen britischen Zumtobel-Tochter Thorn.

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