"China nähern wir uns sehr vorsichtig"

7. August 2006, 19:39
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Osteuropa im Visier österreichischer Einkäufer - Asien wird erst zögerlich angegangen

Wien - Die neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa glänzen dank der starken Position Österreichs in jeder Export- und Investitionsstatistik. Doch die Einkaufsseite wird immer wichtiger, wie ein Blick in die Import-Export-Bilanz zeigt. Nicht nur die meisten Großkonzerne haben ihre Einkaufsfühler längst ins wesentlich günstigere Mittel- und Osteuropa ausgestreckt, auch die österreichische Zulieferindustrie und damit tausende Klein- und Mittelbetriebe quer durch alle Branchen kaufen jenseits der Grenzen ein.

"Osteuropa ist bei uns schon sehr stark, Richtung China nähern wir uns sehr vorsichtig", umreißt Franz Gleiss den geografischen Einkaufsradius. Der Zug der Zeit fahre zwar Richtung "globalen Einkauf", doch dem gigantischen Potenzial stehe die Praxis und ihr klarer Regionalfokus gegenüber - vor allem für Klein- und Mittelbetriebe.

Gleiss weiß, wovon er spricht. Er ist Einkaufschef der Voestalpine und Präsident des Bundes Materialwirtschaft und Einkauf Österreich, kurz BMÖ. Der Verband organisiert die Ausbildung professioneller Einkäufer auf einer eigenen Akademie und Einkäufertage im Osten, wo die entscheidenden Kontakte geknüpft werden. Gleiss: "Das Netzwerk ist der Schlüssel zum Erfolg. Ohne die Kontakte, die sich hier ergeben, ist es oft sehr schwierig und aufwändig, an die besten östlichen Lieferanten heranzukommen."

Klappt die Kontaktaufnahme, gilt folgende Faustregel: Die österreichische Firma kann im Osten Material, Vorprodukte oder Dienstleistungen bis zu 30 Prozent billiger einkaufen. Nach Abzug höherer Kosten für Logistik, Qualitätskontrolle und Bonitätssicherung bleiben noch zehn bis 15 Prozent an Ersparnis übrig. Gleiss: "Unterm Strich zahlt es sich absolut aus." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2006)

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    grafik: statistik austria/standard
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