OÖ: Dicke Luft wegen des neuen Tempolimits

5. Oktober 2006, 12:29
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Tempo 100 wird auf der A1 in beiden Richtungen von Linz bis St. Valentin eingeführt - Massive Kritik von ÖAMTC, ARBÖ und SPÖ

Trotz neuer dreispurig ausgebauter Fahrbahnen wird in beiden Richtungen auf der A1 von Linz bis St. Valentin Tempo 100 eingeführt. Der Umweltschutz schreibe dies vor, sagt Grünen-Landesrat Rudi Anschober. Von ÖAMTC, ARBÖ und SPÖ hagelt es Kritik.

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Linz - Die Verordnung ist beschlossene Sache. Montagfrüh verabschiedete die oberösterreichische Landesregierung mit den Stimmen von ÖVP und Grüne Tempo 100 auf der Westautobahn zwischen Linz und der niederösterreichischen Landesgrenze. Die SPÖ wollte eine Vertagung dieser "schikanösen Maßnahme".

SPÖ-Verkehrslandesrat Erich Haider spricht von einem Schildbürgerstreich: Erst werden hunderte Millionen Euro von Steuergeldern für den Ausbau der A1 und damit für die Reduzierung der Staus und den Abgasen ausgegeben, um anschließend Tempo 100 einzuführen.

"Billige Stimmenmaximierung"

Der zuständige Landesrat Rudi Anschober (Grüne) wiederum wirft Haider vor, die "Autofahrer aufzuhetzen", um damit "billige Stimmenmaximierung für die Nationalratswahlen" zu betreiben. Der zulässige Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft wird an der Messtelle Enns/Kristein drastisch überschritten. Nirgends in Oberösterreich gebe es so dicke Luft wie dort. Der Wert in diesem ersten Halbjahr lag bei 64 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Überschreitung des Grenzwertes und die Vorschriften des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes verpflichten ihn zu der Geschwindigkeitsbegrenzung, "ansonsten würde ich Amtsmissbrauch begehen", rechtfertigt Anschober das Limit, das ab November gelten werde.

Die Automobilklubs sehen darin einen Schnellschuss. Laut ÖAMTC müsse, um Tempo 100 auf Autobahnen einzuführen, "an mehreren Messtellen über einen längeren Zeitraum evaluiert werden". Der ARBÖ spricht sogar von einer kontraproduktiven Maßnahme. Vielmehr würden durch das langsame Fahren Staus künstlich provoziert, nur bei gleichmäßigem Verkehrsfluss sinken die Emissionen. ÖVP-Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka kündigte an, die Tempo-100-Verordnung zu prüfen. Das Land könne die Beschränkung nur für drei Monate erlassen. (Kerstin Scheller, DER STANDARD - Printausgabe, 8. August 2006)

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    Geschwindigkeits- begrenzung auf der Westautobahn: Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft wird an der Messtelle Enns/Kristein drastisch überschritten.

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