Was steckt hinter Schadenfreude?

Redaktion
28. August 2006, 14:27
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    foto: ap/franca

Aspekte eines teuflischen Vergnügens: Vom rätselhaften Antrieb, sich am Leid anderer zu erfreuen - bis zu kulturellen Unterschieden

Über eine durchaus interessante Gefühlsregung, zu der sich die wenigsten offen bekennen, auch wenn es sich dabei um die schönste Freude handeln soll, schreibt uns unsere Gewinnerin der Woche, Johanna F.:

"Stimmt es, dass es im Englischen kein Wort für Schadenfreude gab und dafür erst das deutsche Wort importiert werden musste? Bedeutet das, dass Englisch sprechende Menschen zuvor auch keine Schadenfreude empfinden konnten - und erst danach haben sie es gelernt? Ich meine: etwas Abstraktes kann doch nur 'existieren', wenn man es auch mit einem Wort bedenken kann, oder? Bzw. hätte man doch ein Wort gefunden, wenn es dazu einen Anlass gegeben hätte. Liegt hier ein kultureller Unterschied vor?

Und überhaupt: woher kommt eigentlich die Regung, sich am Leid anderer zu belustigen, wenn man selbst nichts davon hat? Mir geht es dabei gar nicht um den moralischen Zeigefinger. Ein Gefühl wie Neid könnte man z.B. auf den natürlichen Trieb, mehr nützliche Dinge zu besitzen, zurückführen. Aber worin liegt hier der Nutzen? Ist Schadenfreude gar keine natürliche Regung - oder gibt es auch schadenfrohe Tiere?" (red)

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"... als zynischer trost bleibt manchem im scheitern das scheitern der anderen ... " singt der heller und erklärt damit die schadenfreude ganz gut, meine ich.

die freude

am schaden anderer.

Wenn man sonst nichts hat, worüber man sich freuen kann

dann freut man sich eben über den Schaden der Anderen. Eigentlich ziemlich traurig.

es gibt ein sprichwort:

"schadenfreude ist die ehrlichste form von mitleid."

Sind Tiere schadenfroh?

Kann mir gut vorstellen, dass Sich der Gepard ein's grinst, wenn die Gazelle vor ihm stolpert ...

Was dahinter steckt

Der Teufel

neid

punkt

Dass das Englische kein eigenes Vokabel für "Schadenfreude" kennt, ist falsch.

Dieses "Gerücht" ist schnell widerlegt mit einem Blick in das Wörterbuch Ihres Vertrauens.
leo.org liefert zwar "schadenfreude" als Ergebnis, aber halt auch gloating, mischievousness, spitefulness und malicious joy, welche für mich allesamt recht englisch klingen.

http://dict.leo.org/ende?lp=e... &relink=on

Die Schadenfreude selbstverständlich international, basieren doch unzählige Witze auf dieser Welt darauf, dass man sich über das Missgeschick eines anderen amüsiert.

Schadenfreude im englischen Sprachraum

Naja - wenn man sich die Stummfilme ansieht (zB. Laurel & Hardy), gibt es die Schadenfreude auch im englischen Sprachraum - und zwar nicht zu knapp.

wenn ein wort "importiert" wird dann wird es im allgemeinen gebraucht. die theorie mit vorher gabs unter englischsprachigen keine schadenfreude haut also nicht recht hin.
zum eigentlichen thema:
lachen ist nicht etwa primär ein ausdruck für freude sondern ein pysiologischer mechanismus zum spannungsabbau.
viele erwachsene können zb nicht begreifen das es kinder gibt die nicht gern gekitzelt werden (lachen ja eh), nervöses lachen, "komisch" (was ja nicht nur lustig sondern auch seltsam bedeutet), "wahnsinniges" lachen, man könnte lachen wenns nicht so traurig wäre, sarkasmus/satire, udn auch die schadenfreude.
ein gewisser teil erklärt sich natürlich auch aus diversen charakterschwächen der großteil ist spannungsabbau.
mfg

Hab das Gefühl Schadenfreude ...

..noch nie wirklich verstanden...ich kenns nämlich nur bei Leuten die ich nicht ausstehen kann...aber ansonsten...

Aha! Etappt! Ultimativer Gutmensch!?

Sie kennen wohl auch keinen Neid, keine Missgunst, keine Aggression, keine Frustration, keinen Spott, keinen Hohn, keinen Sarkasmus, keinen Zynismus, keine Bosheit? Oder hatten Sie das so doch nicht gemeint?

Ich kann nur sagen, bei mir kommt es bei Schadenfreude sehr darauf an, wenn der Schaden trifft.
Bin gegen Generalisierung und entscheide lieber individuell über meine Gefühlsregungen - und es gibt durchaus Homo Sapiens die mir sympathisch sind (wo mich jeder Schaden, den sie erfahren selber schmerzt) und solche, denen ich einen "Schaden" abslut gönne, weil sie ihn redlich verdient haben.

Bin halt ein Alien, keine Gutmensch.

schadenfroide is wohl ...

... die eigene angst zu ueberspielen - dass das geschehene unglueck womoeglich einem selbst passiern koennte ...

Ganz einfach, hinter Schadenfreude stecke

ich.

Schadenfreude und Neid stehen in einem engen Zusammenhang

Bedeutet Neid auf der einen Seite, dass der Beobachtete (existentielle) Vorteile zu haben scheint die einem selbst verweigert wurden, so bedeutet Schadenfreude die Erkenntnis des Scheiterns des Gegenübers - also den Verlust eines Vorteils. Neid stellt eine Triebfeder leistungsorientierten Handelns dar - Schadenfreude bestätigt diese in gewisser Weise. Auf die Frage nach dem fehlenden Begriff im Englischen fällt mir ad hoc nur der Englische Humor ein, in dem Slapstic als Paradebeispiel der Schadenfreude einen wichtigen Stellenwert einnimmt.

"Ich meine: etwas Abstraktes kann doch nur 'existieren', wenn man es auch mit einem Wort bedenken kann, oder?"

ich denke nicht, dass dem so ist. immerhin gibt es - wie ja hier auch schon mal erörtert, kein durst-pendant zu "satt" - also keine beschreibung für das gefühl keinen durst zu haben. das gefühl jedoch existiert sehr wohl.
ich denke also, dass es sehr wohl möglich ist, dass abstrakta exisitieren, für die man lediglich (noch) keinen namen gefunden hat

es gibt ein durst-pendant zu satt...
nämlich "sitt".

mfg, me.

übrigens ein sehr empfehlenswertes u. ur-lustiges buch:
douglas adams "der tiefere sinn des labenz - das wörterbuch der bisher unbenannten gefühle und gegenstände"

sitt ist allerdings ein kunstwort, das ja deshalb extra geschaffen wurde, weil es eben kein durst-pendant zu satt gibt. und ganz ehrlich: kennen Sie irgendjemanden, der dieses wort benutzt? (Abseits von diesem forum?)

ja, das ist mir auch aufgefallen.
ein weiteres beispiel: die kunst. viele künstler schaffen es, gedanken auszudrücken, für die es keine passenden wörter gibt. die welt wäre ärmer, wenn man sie auf sprachlich ausdrückbares reduzieren würde!

allerdings ist es klarerweise schwierig, solche gedanken mit worten zu erklären ... für viele menschen, sich mit ihren gedanken und empfindungen primär an anderen menschen orientieren, könnte das heißen, daß sie quasi nicht existieren...

ps: das wort für nicht-mehr-durstig lautet "sitt" - kennt aber keiner, ist also praktisch nichtexistent ;-)

die alternative auslegung ist

demnach: gibts kein wort, gabs wenig anlass "darüber" zu reden...

Da müsste man aber einige Worte und vor allem viele Namen streichen ... ;-)

dahinter steckt ein minderwertigkeitskomplex

weu da mensch

a oaschloch is.....

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