Bei Kurssturz im Urlaub Warnung per SMS

2. Oktober 2006, 13:50
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Auch Investoren brauchen Ferien. Was aber machen Anleger während des Urlaubs mit ihrem Depot?

Wien - Wer seinen Urlaub antreten möchte, der weiß, dass neben Flug buchen, Koffer packen und Reiseführer lesen auch andere Dinge im Vorfeld organisiert werden müssen.

Dringend benötigt werden meist Helfer, die Blumen gießen, das Postfach vor Überfüllung retten und die Katze füttern. Was aber macht ein Anleger im Urlaub mit seinem Depot? Wer kümmert sich darum, dass das Vermögen nicht verloren geht, wenn man selbst mit einem Cocktail am Strand liegt, das Rauschen des Meeres genießt und anderswo die Märkte von einer Korrektur gebeutelt werden?

Gespräch vor dem Urlaubsantritt

Damit es nach dem Urlaub keine bösen Überraschungen gibt und das veranlagte Vermögen möglichst nicht verloren geht, empfiehlt Werner Deopito, stellvertretender Filialleiter der Bank Austria Creditanstalt am Stephansplatz, vor Urlaubsantritt ein Gespräch mit einem Kundenbetreuer. Denn für jene Anleger, die ihr Portfolio nicht von einen Vermögensverwalter managen lassen, gibt es Möglichkeiten, während des Urlaubs das Depot betreut zu wissen.

"Das Portfolio kann in einem ersten Schritt mit dem Berater auf heikle Branchen oder Einzelaktien durchforstet werden." Danach könne entschieden werden, diese bewusst zu halten oder doch lieber aus dem Portfolio zu entfernen. Anleger sollten darauf achten, dass nicht alle Werte aus der gleichen Branche sind, rät Deopito. Außerdem gebe es für Kunden, die ihre Aktien online handeln, ein zusätzliches Info-Service: "Erreicht ein Aktienkurs einen bestimmten Wert - diese "kritische Marke" kann vom Kunden online individuell eingestellt werden -, verschickt das System automatisch ein SMS." Danach hätten Anleger immer noch Zeit, Kontakt mit ihrem Berater aufzunehmen, um genauere Infos zu erhalten oder einen Verkauf zu besprechen.

Gewinne absichern

Sehr hilfreich sei auch das Setzen von Limits, so genannte Stop Loss Orders, die eine Möglichkeit sind, einen Verkaufsauftrag bei einem bestimmten Kurs einzuleiten. Bei dieser Form wird ein Auftrag ausgeführt, sobald ein bestimmter Kurs - eben das Stop Loss Limit - erreicht oder unterschritten wird. Die Order wird dann zum nächsten Kurs ausgeführt, egal ob dieser über oder unter dem Stop Loss Limit liegt. Mit diesem Vehikel können auch bereits erzielte Gewinne gesichert werden.

Bei der Setzung eines solchen Limits rät Deopito jedoch, keine runden Beträge - etwa genau zehn Euro - zu verwenden. Summen wie 9,75 Euro würden sich dafür besser eignen.

Von einer kompletten Umschichtung des Depots nur wegen ein paar Wochen Urlaub rät Deopito ab: "Anlegen soll schließlich auch Spaß machen und nicht nur Stress bringen."

Auf Stop-Loss-Orders setzt auch Christian Schön, Chef von DWS-Austria. Zur Einschätzung der Limits empfiehlt Schön die Lektüre von Analysen und ein Gespräch mit der Hausbank.

Privatanlegern rät Schön jedoch zu einer langfristigen Veranlagung. Damit erspare man sich hitzige Umschichtungen. Bei Korrekturphasen gelte es "den Kopf nicht in den Sand zu stecken", denn durch Tiefs müssten auch Langzeitinvestoren durch.

Prinzipiell sollte man seine Veranlagung aber so aufstellen, dass man sich den Urlaub dadurch nicht vermiesen lassen kann. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2006)

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    Für die daheim gebliebene Katze wird während eines Urlaubs meist gut vorgesorgt. Auch für das Portfolio gibt es Mittel, damit dieses nach der Heimreise noch Freude macht.

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