Tänzchen der Beliebigkeit

20. Juli 2007, 16:43
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Die Wiener Philharmoniker mit Dirigent Sir Roger Norrington

Salzburg - Obwohl Sir Roger Norrington zweimal den Boden mit beiden Füßen verlassen und einen elegant federnden Dreifachsprung hingelegt hat, hatte der Abend mit den Wiener Philharmonikern etwas Lähmendes und Spannungsloses.

Braucht es wirklich zehn Erste und zehn Zweite Geigen für das intime Divertimento F-Dur KV 247? Abgesehen von der Vorstellung eines Geburtstagsständchens in Regimentsstärke und der geringen Präzision in den Streichern, irritierte vor allem die Beliebigkeit, mit der Norrington die Stimmungen vorbeiwinkte. Aufhorchen lassen hatte überhaupt erst das Trio im ersten Menuett, das im Übrigen die Vorstellung stark ermüdeter Füße in seidenen Spangenschuhen weckte: Mit Solostreichern und Hörnern erklang die Musik in stimmigen Dimensionen und konnte den Zuhörer packen, der denn auch gerne über eigenwillige Horneinsätze hinweghörte.

Bei der hurtig und ohne Gestaltungswillen abgespielten Maurischen Trauermusik c-Moll KV 477 galt es, sich nachdrücklich in Erinnerung zu rufen, dass man dieses singuläre Stück auch schon mit angehaltenem Atem spielen gehört und angehört hat. Man gab es noch einmal. Eine charmante Geste. Tatsächlich meinte man, bei der um eine Spur bedachtsameren Wiederholung, einen Schatten von dem zu spüren, was die "Maurische Trauermusik" sein könnte: ein Fenster ins Jenseits.

Elina Garanca sang untadelig die Arien "Alma Grande e nobil core" KV 578 und "Al desio di chi t'adora" 577 und wurde mit plötzlich spürbar gespannteren Grundhaltung begleitet.

Wenn die Stücke sich schon im Wochenabstand wiederholen, kann man nicht anders, als vergleichen. Und wie die "Prager Symphonie" D-Dur KV 504 klingen kann, haben unlängst das Freiburger Barockorchester und Gottfried von der Goltz hinreißend gezeigt.

Der Beitrag Norringtons mit den Wienern hat dagegen die Aussagekraft einer Fußnote, aus der sich nicht erschließen ließe, dass etwa allein die paar Einleitungstakte im Adagio zum Spannendsten bei Mozart überhaupt gehören. Im Allegro hat man dann endlich auch am Streicherklang gehört, und nicht nur im Programmheft gelesen, dass da die Philharmoniker tätig sind. (Heidemarie Klabacher/DER STANDARD, Printausgabe, 7.8.2006)

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