Open Source: Frauen an die Macht

Redaktion, 02. Oktober 2006 11:23
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Fedora-Projekt ruft zu weiblicher Mitgestaltung auf - "Linuxchix","Debian Women" und "Ubuntu Women" zusammen gegen das Patriarchat im Netz

Das Open-Source-Projekt Fedora hat ein spezielles Frauenprogramm ins Leben gerufen, welches Anwenderinnen und Entwicklerinnen eine eigene Web-Plattform rund um die Verwendung und Entwicklung von Fedora bieten soll. Durch das Angebot von Fedora Women wollen die Projektinitiatoren Frauen zu einer aktiveren Mitarbeit animieren und deren öffentliche Präsenz in der Männer-dominierten Community verstärken.

Diskriminierung von Frauen

"Die Diskriminierung von Frauen im Open-Source- und IT-Bereich ist definitiv ein Thema", meint Gina Lanik, Systemadministratorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Rechenzentrums WSR, im pressetext-Gespräch. "Das Thema Frauen und Technik ist in der Gesellschaft immer noch mit einer Reihe von Vorurteilen besetzt. Da kommt es natürlich immer wieder vor, dass Frauen auch im Open-Source-Bereich nicht Ernst genommen und öffentlich belächelt werden", so Lanik. Die Ausprägung von Vorurteilen sei allerdings länderspezifisch recht unterschiedlich und auch vom Einsatzbereich abhängig, räumt die Open-Source-Expertin ein. So gelte beispielsweise der nordamerikanische Raum im Bereich Open Source als frauenfeindlicher als etwa Europa.

Entwicklungsmodelle sehr hierarchisch

"Gerade die Open-Source-Szene ist von patriarchalischen Strukturen geprägt, da Entwicklungsmodelle sehr hierarchisch aufgebaut sind", meint Christian Jeitler vom Verein Quintessenz, der für die Organisation der Linuxwochen mitverantwortlich zeichnet. Als positiver Trend sei allerdings zu vermerken, dass immer mehr Frauen in Hightech-Bereichen präsent seien. "Projekte wie Fedora Women sind zwar begrüßenswert. Die Vorbildwirkung von Frauen als Vortragende bei öffentlichen Veranstaltungen oder als Leiterinnen von IT-Unternehmen besitzt aber ungleich mehr Strahlkraft", zeigt sich Jeitler überzeugt.

Zweifel

Eine dieser Unternehmerinnen, Sherryl Manalo, CEO und Mitbegründerin des Linux-Software-Unternehmens antitachyon, hält spezielle Frauenplattformen prinzipiell ebenfalls für eine gute Idee. "Ob die grundsätzliche Problematik, dass Frauen im Open-Source-Bereich nur wenig vertreten sind, damit gelöst werden kann, wage ich allerdings zu bezweifeln", meint Manalo. Auch sie bestätigte Laniks Beobachtung, dass die Problematik zum Teil auch Breitengrad-abhängig sei. So seien in Asien, vor allem etwa in Indien Frauen weitaus häufiger in technischen Berufen anzutreffen als hierzulande, sagt Manalo.

Linuxchix

Fedora Women ist nur eine unter mehreren Open-Source-Plattformen, die sich speziell an eine weibliche Anwenderschaft richten. Neben besagtem Projekt finden sich seit geraumer Zeit auch die Plattformen Linuxchix, Debian Women sowie Ubuntu Women im Netz wieder. (pte)

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Posting 1 bis 25 von 67
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raphuscucullatus
07.08.2006 11:00
ist es nicht im kopf dann ist es nirgendwo

denke alle in der it-branche wuerde es freuen mehr frauen zu sehen.
doch in den koepfe gibt es immer noch die geteilte welt -
schon in den kinderbuechern sind die berufszuordnungen geschlechterspezifisch aufgeteilt: der baggerfahrer, lokfuehrer, die person vorm computer sind immer maenner , die personen hinter waschmaschine, kinderwagen immer frauen.
die problematik ist sehr komplex - es muss viel geaendert werden: die sprache, die kinderbuecher, die erziehung, ... und irgendwann aendert sich auch das weltbild im kopf.
daran kann jeder mitarbeiten - und all dies hat ueberhaupt nichts zu tun mit open source/closed source/m$ u.s.w

Valentina Stein
06.08.2006 17:32
@an alle

Eine schönere Bestätigung dieses Artikels als durch diese Mehrheits-Reaktionen kann's gar nicht geben.
Und danke für die vielen roten Balken - wäre echt (=völlig unzynisch gemeint) schlimm für mich von der Masse (hier) "gemocht" zu werden.
Verzeiht bitte, daß ich mich somit ausklinke, aber meine Zeit ist zu kostbar um sie in euch zu investieren.

Dr Seltsam
07.08.2006 09:45
traurig

Jetzt färben sie noch alle rot. Aber verwenden, verwenden wird die Quoten-Distro keiner. Linux ist eben eine Machismo Kultur, und das werden derlei Aktionen die - peinlich, peinlich - den klassischen "Erzfeinden" ein Jahrzehnt hinterherhinken - auch nicht von heute auf morgen ändern. Aber was solls, allein der gute Wille zählt :)

Jakob Petsovits
 
07.08.2006 09:11

Die Ignoranz meiner Geschlechtsgenossen ist ein Witz. Natürlich könnt ihr euch immer und immer wieder einreden, dass eigentlich eh alles ok ist, und dass Frauen von Grund auf uninteressiert sind, und dass Open Source genauso frauenfreundlich ist wie die normale Informatik.

Aber das reicht nicht! Ich meine, wollt ihr, dass sich das Verhältnis ändert, oder soll alles so ungleich bleiben wie's ist? Die anhaltenden Reaktionen in den Standard-Foren lassen auf zweiteres schließen.

le geres
07.08.2006 17:19

es stellt sich halt die frage, wer die arbeit erledigen soll. gerade os ist oft unbezahlt. warum soll ich als entwickler, für den icons und benamsungen eher nebensache sind, während mich algorithmen und daten interessieren, jetzt beispielsweise weibliche icons machen? ich habe icons. und wenn mir eine frau icons für frauen zusendet, werde ich sie gerne aufnehmen. aber als entwickler habe ich andere dinge im kopf, die meistens grundlegend dafür sind, dass ein anwender oder eine anwenderin überhaupt mal ein icon zu sehen bekommen, egal welches.

und dass das programm rennt, ohne äußerlich sichtbare fehler zu produzieren, ist nun mal grundlegend dafür, dass irgendwas passiert.

d3m3t3r
 
07.08.2006 08:28

*G* YOU made my day!!!

Reo Fuxfell
06.08.2006 14:51
ich seh das problem nicht.

ich kenn genug nerdfrauen, geekettes und welche lustigen ausdrücke man sonst dafür verwenden will - zwei der besten coder in meinem bekanntenkreis sind frauen. in diesem bereich kommt man einfach nicht weit, bloß weil man einen förderkurs vom AMS kriegt und nachher immer noch nichts versteht - da gehts um eine gewisse geisteshaltung. ob die mehr oder weniger bei frauen vorhanden ist, weiß ich nicht, ich vermute aber, sie ist weniger geduldet - auch von frauen. "was, du hast nur 2 paar schuhe?" "wenn du dich dauernd mit den kastln beschäftigst, wird dich nie wer heiraten."

wenn wir die stimmung auflösen können, gibts mehr frauen in der it. und zwar ohne zwanghafte klauseln.

No Way José
 
06.08.2006 13:23

Unix und Linux kommt halt vom Hintergrund her aus den Naturwissenschaften (Info/Mathe/Physik etc.), und da ist die Frauenquote an den Unis auch heute noch relativ gering. Das heisst aber nicht, dass es keine Frauen gibt, ich kenne mehrere "Nerdchicks", seit ueber 10 Jahren, es handelt sich also um kein neues Phaenomen.

Kruno
05.08.2006 17:10
Männerpsyhologie ist nicht der Grund

Ich programmiere seit 15 Jahren und kenne keine Frau die dafür interessiert ist, geschweige denn es selbst auch tut!
Auch in foren (bei Microsoft oder sourceforge) habe ich auserst selten weibliche Nahmen gesehen. Es ist maximal eine Frau auf hundert oder mehr Männer in diesem Bereich aktiv.
Also, bevor wieder Männer für alles schuld sind und die Frauen aus allem ausschließen, denkt selber nach was euch interessiert und was nicht. Schließen wir euch auch aus beim zangeln ums Auto/Motorrad, Sport und ähnliches?
Es gibt einfach geschlechtsspäzifische Domänen.
Das soll auch so bleiben(obwohl ich lieber mit Technikerinen über die Materie reden will), ich möchte mich nicht in, z.B. Mode drängen nur weil dort kaum Männer zu finden sind.

vandermonde
07.08.2006 10:00
Sie verwechseln...

...Ursache und Wirkung, sie sagen selbst, daß es so gut wie keine Vorbilder für Frauen gibt. Welchen Eindruck macht das auf heutige Mädchen? Welchen Eindruck machen der männliche Bill Gates und Steve Jobs?

Interesse basiert auf Vorbildern, gesellschaftlichen Strukturen und Erziehung - In all diesen Bereichen schaut es für Frauen weniger gut aus - ergo: auch weniger Frauen in diesem Bereich...

Valentina Stein
05.08.2006 15:31
Anfangs dachte ich, Linux-Anwender sind rundum anders

Welch Irrtum.
Ein patriarchalischer Haufen, der sich bewußtseinsmäßig in nichts von der Windows Masse unterscheidet.

phatsphere
05.08.2006 16:05

?? wo werden frauen bei open source projekten gehindert/diskriminiert ?? wüsst gern ein paar beispiele..

Valentina Stein
06.08.2006 04:26
No, dann schau dir mal diverse GUI an!

Da gibts bei den deutschen Versionen ausschließlich maskuline Termini PLUS Icons. Widerlich.

Captain Smoker
06.08.2006 14:49
Was für ein Skandal...

Es wird keine Frau daran gehindert eine "weibliche Version" zu machen.

Valentina Stein
06.08.2006 17:19
Aha, das Verfassen einer neutralen überfordert Entwickler

Btw: Vielleicht ist dir schon aufgefallen, daß ICH stets neutral schreibe. Somit steh ich und die wenigen anderen, auf einem weit höheren Level.

suka
05.08.2006 16:40

Das Problem ist ja - meist - nicht die offene sexistische Diskrimierung (auch wenns die natürlich auch gibt) sondern mehr das "männliche Klima", das unbewusst ausschließend ist. Gab eh schon vor kurzem einen Artikel dazu, der das recht ausführlich behandelt hat:

http://derstandard.at/?id=2498210

Valentina Stein
06.08.2006 04:39
Genau.

Wobei ich Deines zusammenziehe: Ein durch und durch sexistisches Klima.
Ich installiere deswegen nur mehr englische Versionen, bzw besuche englische Foren. Da bin ich zwar "user", aber "she/her". Die deutschen Interfaces, die nur "Anwender, er, der, etc" kennen, sagen so eindeutigst "Störet unsere Kreise nicht".
Aber dann beleidigt meinen, daß sich Frauen eh nicht für IT interessieren.....
Wofür sich intelligente Frauen aber natürlich nicht interessieren, ist die (virtuelle) Gesellschaft von egomanischen Kleingeister.

Captain Smoker
06.08.2006 14:52
Scheinheilig

User ist OK, aber Benützer dann nicht??

Valentina Stein
06.08.2006 17:21
Posting nochmals lesen!

Ich bezog mich auf ENGLISCHE Foren.

Captain Smoker
06.08.2006 18:12
Habs schon gelesen.

Sie haben geschrieben, dass Sie User nicht stört, Anwender jedoch schon. Was soll das sein wenn nicht scheinheilig?

vandermonde
07.08.2006 10:03
nicht scheinheilig weil...

...es keine weibliche Form von "User" im Englischen gibt - im deutschen schon (sowohl Anwenderin als auch die verdeutschte Form "Userin" oder auch AnwenderIn für beide Geschlechter)

Captain Smoker
07.08.2006 11:00
Genau deshalb ist es ja so extrem scheinheilig

Wenn es ihr wirklich auf eine Änderung ankäme, würde sie nicht schreiben, dass sie mit "User" zufrieden ist, sondern sich bei den Leuten einsetzen Userin oder so was einzuführen. Früher gab es auch nur den Anwender im Deutschen. Nur weil man im Englischen erkant hat, dass solche "Sprachänderungen" teilweise ins Lächerliche führen und sie deshalb nicht mitmacht, gibt sie sich mit "User" ab. Ich bin mir sicher wenn es nur den Anwender gäbe, würde si sich darüber ebenfalls nicht beschweren.
Daher ist ihre Haltung in meinen Augen klar scheinheilig.

vandermonde
07.08.2006 11:21
Userin...

...würde im englischen wenig Sinn machen - aber davon abgesehen ist es nicht scheinheilig, weil es einfach noch keine Lösung dafür gibt. Im Unterschied zum englischen ist Anwenderin vollkomen legitim in der deutschen Sprache verankert (neu sind nur Formen wie AnwenderIn) - im englischen existiert eine solche "weibliche Markierung" nicht und läßt sich auch nicht irgendwie herleiten. Das bedeutet, daß hier anders vorgegangen werden muß - etwa durch aufwendigere explizite Nennung des Geschlechts durch she, her oder etwa Mrs. User, aber das wirft wiederum andere Probleme auf (Miss oder Mrs.?) und ist auch nicht wirklich äquivalent...

Captain Smoker
07.08.2006 11:26
Klar haben Sie auch recht.

Aber wenn es ihr wirklich um die Sache ginge, würde sie sich nicht mit dem englischen User zufrieden geben sondern auch dort eine andere Lösung fordern oder sich damit zumindest nicht zufrieden geben.

Aber lassen wir das, ich sehe schon wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. ;-)

"Igor"
05.08.2006 17:00

Wenn einem die Regeln nicht passen, muss man halt ein eigenes Projekt gründen oder sich anpassen.

OS ist für viele ein Hobby und viele stecken auch Geld hinein, also wieso sollte man sich da von irgendjemanden reinreden lassen.

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