"Das schnelle Geld war nie das Ziel von Hutchison"

10. Oktober 2006, 10:59
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Der Chef von "3", Berthold Thoma, ist von mobilen Multimedia-Diensten überzeugt, vom Preiskampf aber nicht, "einen wird es bald zerreißen".

Zu wos brauch' mer des? Der gebürtige Franke Berthold Thoma ist nicht leicht zu erschüttern. Seitenhiebe der größeren Konkurrenten, die seinem Unternehmen schon beim Marktstart keine großen Chancen eingeräumt hatten, nimmt er genauso gelassen und mit einer Portion Erheiterung hin, wie die ihm immer wieder gestellte Frage: Wozu brauchen wir denn UMTS, die viel zitierte dritte Mobilfunkgeneration?

"In wenigen Jahren werden wir uns unser Leben ohne die UMTS-Technologie nicht mehr vorstellen können"

Dass er als Geschäftsführer des heimischen UMTS-Netzbetreibers Hutchison 3G vulgo "3" darauf eine Antwort parat hat, liegt auf der Hand. Die Philosophie, die darin mitschwingt, verblüfft dann doch ein wenig: "In wenigen Jahren werden wir uns unser Leben ohne die UMTS-Technologie nicht mehr vorstellen können", holt er zunächst aus. "Viele Dinge, die die Leute heute am PC über das Internet machen, werden die UMTS-Handys schneller und bequemer erledigen, ohne dass man vorher fünf Minuten Bill Gates gedenken muss". Und alles, was das menschliche Leben bequemer und schneller gemacht hat, habe sich bisher durchgesetzt, das liege nun mal in der Natur des Menschen. Das schnellere Denken des Menschen habe letztlich dazu geführt, dass er im Laufe der Evolution am Ende der Futterkette stand, das ausgleichende Moment sei dabei stets eine gute Portion Bequemlichkeit gewesen.

Irrationaler Preiskrieg

Bequem zurücklehnen und auf den Erfolg einfach warten, kann sich aber auch der überzeugteste UMTS-Fan nicht leisten. Schließlich befinden sich Thoma und sein Unternehmen in einem der derzeit am härtesten umkämpften Märkte. "Irgendwann wird es einen der Anbieter zerreißen", kommentiert Thoma die tobende Preisschlacht der Billigtarif-Angebote, ohne zu verhehlen, dass Hutchison mit von der Partie ist. "Wir spielen mit, gehen aber nicht so weit, dass wir unsere eigentlichen Ziele aus den Augen verlieren", sagt er. Was er damit meint: "3" will mobiles Breitband und Multimedia-Dienste wie etwa Handy-TV bis in die letzte Ecke der Republik verbreiten. "Die Preisschlacht in Österreich ist einfach irrational", legt er nach. Ob es sich lohne, die Kundenzahlen mit Billigtarifen zu pushen, zeige sich eben erst, wenn man Bilanz zöge. "Wir haben nie vorgehabt, schnelles Geld zu verdienen", zieht er einen Schlussstrich unter das Thema Tiefstpreise.

Fernsehen am Handy

Denn im Grunde seines Herzens ist Thoma Techniker und als dieser auch in die Technik verliebt. Ganz oben auf seiner persönlichen Hit-Skala steht Fernsehen am Handy. Die Nachfrage sei enorm, versichert er, nicht nur aufgrund der Fußball-WM und ist gleich mittendrin in einer Live-Demonstration. Verbesserte Geräte und der DVB-H Standard, der eine höhere Auflösung ermögliche, werde bald auch die Skeptiker überzeugen.

Eintritt ins Musikgeschäft

Doch bevor das Handy-TV seinen Siegeszug antreten wird, wird bei Hutchison kräftig Musik gemacht. "Wir bauen gerade den größten Musikkatalog nach iTunes auf, tag für Tag kommen 5000 Songs dazu", sagt er - und lehnt sich entspannt zurück. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.8.2006)

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  • Der CEO, Berthold Thoma, selbst setzt auf Handy-TV - zuvor will "3" das Geschäft mit der Musik auf dem Handy forcieren.
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    Der CEO, Berthold Thoma, selbst setzt auf Handy-TV - zuvor will "3" das Geschäft mit der Musik auf dem Handy forcieren.

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