Israel droht mit Angriffen auf alle Fahrzeuge südlich des Litani

9. August 2006, 15:46
1376 Postings

Dutzende Tote bei Bombardements - Dreißig Hisbollah-Kämpfer getötet - mit Infografik

Tyrus - Israel hat neuerlich mit Angriffen auf alle fahrenden Fahrzeuge im Südlibanon südlich des Litani-Flusses gedroht. Die israelische Luftwaffe warnte die libanesische Bevölkerung am Dienstag mit Flugblättern, dass jedes Fahrzeug bombardiert werden könne. Der Litani verläuft dreißig Kilometer nördlich der israelischen Grenze und mündet sieben Kilometer nördlich von Tyrus in das Mittelmeer. Die Hilfsorganisation CARE hat Israel unterdessen vorgeworfen, die Versorgung der Zivilbevölkerung im Libanon zu behindern.

Durch den Beschuss und die starke Beschädigung des nördlichen Highways durch die israelische Armee Ende vergangener Woche sei "eine entscheidende humanitäre Versorgungsmöglichkeit bewusst massiv beeinträchtigt worden", erklärte der Geschäftsführer von CARE Deutschland, Wolfgang Jamann. Israel hat am Dienstag seine Angriffe auf Ziele im Libanon fortgesetzt. Die Luftwaffe griff nach israelischen Medienberichten etwa 80 Ziele an. Schwere Bodenkämpfe waren im Südlibanon im Gang. Israelische Soldaten landeten am Montag zunächst mit Hubschraubern auf einem Hügel nahe der Ortschaft Ras al-Biyada südlich von Tyrus.

Dreißig Hisbollah-Kämpfer getötet

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben am Dienstag bei Kämpfen im Südlibanon 30 Milizionäre der radikal-islamischen Hisbollah-Organisation getötet. Die Soldaten hätten auch acht Raketen-Abschussrampen und einen mit Waffen beladenen Lastwagen zerstört, teilte das Militär mit.

Insgesamt seien seit dem Beginn des Kriegs am 12. Juli 480 Hisbollah-Kämpfer getötet worden. Auch am Dienstagabend schlugen im Bereich der Grenzstadt Kiryat Shmona mehrere von der Hisbollah abgefeuerte Raketen ein.

Dreißig Tote in Beirut

Nach israelischen Angriffen auf einen Vorort von Beirut sind bis Dienstag 30 Tote aus den Trümmern geborgen worden. Damit galt der Luftangriff auf Shiyyah vom Montag als der bisher folgenschwerste für die libanesische Zivilbevölkerung. 60 Menschen wurden nach Angaben der Polizei verletzt.

Ein Haus wurde dem Erdboden gleich gemacht, ein weiteres stark beschädigt. Ein Angriff in der südlibanesischen Ortschaft Kana (Qana), bei dem am 30. Juli 28 Menschen getötet wurden, hatte internationale Kritik an der Libanon-Offensive hervorgerufen.

Angriff auf Tankwagen

Bei israelischen Luftangriffen auf einen Konvoi von Lastwagen im Osten des Libanon sind am Dienstagabend mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Weitere vier Menschen wurden verletzt, als die israelische Luftwaffe den Konvoi in der Nähe der syrischen Grenze bombardierte, wie die Polizei mitteilte.

Die Armee habe zwölf Angriffe auf einen Fahrzeugverband verübt, der aus elf Tanklastwagen bestanden habe, teilten Sicherheitskräfte mit. Die Lastwagen hätten Treibstoff transportiert. Etwas weiter nördlich seien drei Lastwagen unter Beschuss geraten, die Marillen geladen hatten.

Kämpfe mit Hisbollah

Bei Kämpfen mit der schiitischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon wurden mehrere israelische Soldaten verletzt, wie es in Militärkreisen hieß. Das Militärradio berichtete, dass sechs Soldaten durch eine Panzerabwehrrakete verletzt worden seien. Das Geschoß habe das gepanzerte Fahrzeug im Bereich von Bint Jbeil getroffen. Die Armee habe mindestens vier Hisbollah-Kämpfer getötet.

Luftangriffe auf Bekaa-Tal

Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag Angriffe auf Ziele im westlichen Bekaa-Tal geflogen. Die Gegend um Yuhmor und Suhmor sei erstmals seit dem Beginn des bewaffneten Konflikts am 12. Juli bombardiert worden, teilte die Polizei mit. Mehrere Olivenhaine seien in Brand geschossen und mindestens zwei Menschen verletzt worden.

Sechs Tote bei Luftangriff auf Sidon

Bei israelischen Luftangriffen auf eine Ortschaft nahe der südlibanesischen Hafenstadt Sidon sind am Dienstag sechs Menschen getötet und 28 weitere verletzt worden. Dies teilte die libanesische Polizei am Nachmittag mit. Demnach wurde der Ort Ghaziyeh südöstlich der Hisbollah-Hochburg Sidon zwei Mal angegriffen.

Die erste Rakete traf ein Haus in Ghaziyeh rund fünf Minuten, nachdem ein Trauerzug die Stelle passiert hatte. Rund 1.500 aufgebrachte Trauernde liefen durch die Straßen. Eine halbe Stunde später griffen israelische Kampfflugzeuge erneut an und zerstörten zwei Gebäude.

Aus den Trümmern wurden sechs Leichen geborgen, wie Bürgermeister Mohammed Ghaddar erklärte. Allerdings werde vermutet, dass noch weitere zehn bis 15 Menschen verschüttet seien. Augenzeugen sagten, eines der zerstörten Häuser habe Scheich Mustafa Khalifeh gehört, einem Geistlichen mit Verbindungen zur Hisbollah.

Libanons Opferbilanz

Parallel mit der Ausweitung der israelischen Angriffe in den letzten Tagen stieg auch die Zahl der Toten und Verwundeten im Libanon. Das libanesische Gesundheitsministerium sprach am Montag von 925 Toten, 75 Vermissten und über 4000 Verletzten. Ein Drittel der Todesopfer sind Kinder unter zwölf Jahren, auch zwei Dutzend libanesische Soldaten figurieren in dieser Statistik. Viele der Verletzten würden ihr Leben lang behindert sein und mit amputierten Gliedern leben müssen, erklärte dieser Tage in Beirut die Sozialministerin Nayla Moawad. Wie hoch die Verluste unter den Hisbollah-Kämpfern sind, weiß niemand genau. Die Angaben schwanken zwischen rund 100 nach libanesischen und etwa 400 nach israelischen Quellen.

Die durch das Bombardement eines Kraftwerks bei Beirut ausgelöste Ölpest bedroht nun die Mittelmeerküste in der Osttürkei. Der Ölteppich ist mittlerweile rund 130 Kilometer lang und mindestens 30 Kilometer breit. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zerstörungen nach einem neuerlichen Angriff der israelischen Luftwaffe auf Vororte von Beirut.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Rot-Kreuz-Fahrzeug bei einem Bombenkrater im Südlibanon

  • Artikelbild
Share if you care.