Stille Schilling-Lager in Büchern, Schuhen und Tresoren

25. August 2006, 12:33
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Der Euro-Bus der OeNB beendet am Samstag seine fünfte Tour, bei der alte Schillinge in Euro getauscht werden können

Wien - Der Euro-Bus der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) beendet heute, Samstag, am Wiener Michaelerplatz seine fünfte Österreich-Tour. 70-mal hat der Bus seit Mai Halt gemacht, um vergessene oder wieder gefundene Schillinge in Euro zu tauschen.

Durchschnittlich 546 Kunden haben seit Tourstart im Mai täglich den Euro-Bus besucht und dort 56,7 Millionen Schilling in Euro getauscht. Mit mehr als 1600 Kundenkontakten hält Baden in diesem Jahr den Rekord.

Wechselrekord

Zur "Hauptstadt des Schillings" wurde heuer St. Pölten gekürt, wo in Summe 2,67 Millionen Schilling zum Bus gebracht wurden. Den höchsten Einzelbetrag (268.000 Schilling) brachte ein Mistelbacher.

"Das Interesse der Österreicher am Euro-Bus ist auch nach fünf Jahren enorm groß", stellt Gerhard Schulz, Kassendirektor der OeNB, fest. Am meisten fasziniere ihn, dass die Österreicher mehrere Jahre nach der Euro-Einführung noch immer so hohe Schilling-Beträge - manchmal sogar sprichwörtlich - "ausgraben".

So geschehen bei einem Ehepaar, deren Geldtasche, in der immer einige Scheine aufbewahrt wurden, spurlos verschwand - unter die Erde nämlich, wie sich Jahre später herausstellte. Als das Paar neben dem Haus einen Kanal graben ließ, wurde die Tasche freigeschaufelt.

Eine Bregenzerin hat unter den Einlagen ihrer Wanderschuhe Schilling-Scheine gefunden, die sie während einer Reise dort versteckt hatte.

Oft vergehen Jahre ...

Die verborgenen Schätze warten oft lange auf ihre Entdeckung: Vor zehn Jahren hatte ein Vater seinem Sohn zum Geburtstag ein Buch geschenkt. Da dieser selbiges nie gelesen hatte, fand er die darin versteckten 2000 Schilling erst heuer. Viele Jahre mussten auch vergehen, bis ein Herr beim Aufräumen seines Tresors auf 15.000 Schilling gestoßen ist.

Nicht nur Österreicher tauschen ihre Schillinge in Euro. Ein Botschafter brachte seine japanischen Gäste zum Euro-Bus, die 620 Schilling von früheren Wien-Besuchen in Euro wechselten. Auch Touristen nutzen diese Möglichkeit.

Mehr als zehn Milliarden Schilling noch im Umlauf

Bei den fünf Euro-Touren wurden rund 260 Mio. Schilling in Euro getauscht; eine "Blüte" befand sich bei den gebrachten Münzen und Scheinen bisher nicht, erzählt Schulz. 10,5 Mrd. Schilling seien noch im Umlauf.

Im Zentrum der Tour 2006 stand die Malerin Angelika Kaufmann, deren Porträt alte 100-Schilling-Scheine ziert. Dieser Schein verliert am 28. November seine Gültigkeit.

Als vergangenes Jahr (am 30. August) der Bertha-von-Suttner-Tausender seine Gültigkeit verlor, meldete sich hektisch ein Mann bei der Notenbank mit der Bitte, die Gültigkeit zu verlängern. Er grabe nämlich gerade seinen Keller um, in dem er früher "Tausender" versteckt hat und habe diese noch nicht wieder gefunden. "Solchen Wünschen können wir nicht gerecht werden", beteuert Schulz. Die Scheine hätten danach ja immer noch Sammlerwert. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.8.2006)

  • Jahre nach der Euro-Einführung werden immer noch Schillinge gefunden - mitunter an kuriosen Orten.
    foto: standard/hendrich

    Jahre nach der Euro-Einführung werden immer noch Schillinge gefunden - mitunter an kuriosen Orten.

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