"Zinserhöhungen als Konjunkturkiller"

31. August 2006, 14:13
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Wirtschaftskammer-Präsident Leitl ist mit der vierten Zinsan­hebung in acht Monaten alles andere als einverstanden

Wien - Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, kritisierte am Freitag, die weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) heftig: "Vier Zinsschritte nach oben sind für ein Jahr mehr als genug, wenn man die sich sanft erholende Konjunktur nicht abwürgen will." Der hohe Ölpreis und die Energiekrise, die von der EZB als Argumente verwendet werden, würden die Unternehmen schwer genug belasten. "Sie brauchen neben der Energiekeule nicht noch eine zusätzliche Zinskeule."

Die Ankündigung weiterer Zinserhöhungen in Europa unter dem Titel Stabilität seien kontraproduktiv und würden insbesondere den Klein- und Mittelbetrieben die Chance nehmen, sich weiter zu entwickeln, warnte Leitl. Die Wirtschaft brauche Rahmenbedingungen, auf die sie sich verlassen könne. Die für heuer erwartete Inflation von 2,1 (2005: 2,2) Prozent in der EU liege praktisch am EZB-Zielwert von 2 Prozent.

"Wachstumsdämpfende Maßnahmen"

Leitl hält daher solche "wachstumsdämpfende Maßnahmen" für "absolut nicht nachvollziehbar, unverantwortlich und unsolidarisch". "Das Stabilitätsziel des Euro ist in den letzten Jahren ordentlich erreicht worden", so der Wirtschaftskammer-Präsident. Während die Europäische Kommission die Wachstumsschwäche in Europa überwinden und damit die Arbeitslosenzahlen reduzieren wolle, konterkariere die EZB diese Politik mit ihren Aktionen.

Der WKÖ-Präsident appellierte daher einmal mehr an die Währungshüter in Frankfurt, nicht zum "Konjunkturkiller" zu werden, sondern die beiden weiteren für heuer angekündigten Zinsanhebungen im Sinne des Wachstums und der Beschäftigung in Europa zu unterlassen. Leitl: "Die EZB hat ihr Ziel der Währungsstabilität erreicht, jetzt ist sie aufgefordert an der Umsetzung der gemeinsamen Wachstums- und Beschäftigungspolitik mitzuwirken." (APA)

  • Leitl: "Die Unternehmen brauchen neben der Energiekeule nicht noch eine zusätzliche Zinskeule."
    foto: standard/matthias cremer

    Leitl: "Die Unternehmen brauchen neben der Energiekeule nicht noch eine zusätzliche Zinskeule."

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