Mode-Legende wurde 70

5. Oktober 2006, 11:01
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Yves Saint Laurent schuf den "androgynen Typ" zu einer Zeit, als "Weiblichkeit" der Formen die Modeszene beherrschte - Und hatte damit großen Erfolg

Frankfurt/Main - "Mit einer Hose und einem Rollkragenpulli ist jede Frau gut angezogen", sagt Yves Saint Laurent. Kein Wunder - gilt doch der Modeschöpfer, der am 25. Juli 2006 seinen 70. Geburtstag feierte, als Meister der Hosenanzüge. Mit seinem Damen-Smoking reservierte er sich bereits 1966 einen Platz im Modehimmel. Anfang 2002 zog sich Saint Laurent ins Privatleben zurück. Sein Modehaus gibt es nicht mehr, die Marke "YSL" aber lebt weiter: Sie gehört jetzt zu Gucci.

Der als hypersensibel geltende Couturier, der in seiner Jugend von Depressionen geplagt wurde und dem man später Alkohol- und Kokainexzesse nachsagte, hat sich fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und verbringt viel Zeit in seinem Haus in Marrakesch. In Paris erinnert seit gut zwei Jahren ein kleines Museum an seine legendären Entwürfe - entstanden oft unter dem Einfluss moderner Kunst, die ein Steckenpferd von YSL ist.

Frühe Leidenschaft

Die Leidenschaft für Mode erbte der am 1. August 1936 im algerischen Oran geborene Saint Laurent von seiner Mutter. Bereits während seiner Schulzeit entwarf er die Bühnengestaltung und Kostüme für Theateraufführungen. Im Alter von 17 Jahren ging er nach Paris und ließ sich zum Modezeichner ausbilden.

In der französischen Hauptstadt machte er die Bekanntschaft von Christian Dior, der ihm bereits 1954 eine Stelle in seinem Modehaus verschaffte. Als Dior 1957 starb, übernahm Yves Saint Laurent auf dessen Wunsch die künstlerische Leitung des renommierten Hauses. Nach drei Jahren jedoch wurde er zum Wehrdienst einberufen - Dior stellte Marc Bohan als Chefdesigner ein. Zwar wurde YSL nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen aus der Armee entlassen, die Stelle bei Dior aber war weg.

Eigenes Modehaus seit 1962

Er verklagte das Modehaus auf Schadenersatz, und mit dem Geld, das ihm schließlich zugesprochen wurde, eröffnete er 1962 sein eigenes Modehaus. Ihm zur Seite stand dabei der Marketing-Experte Pierre Berge, der viele Jahre lang auch sein Lebensgefährte war. Seine Kollektionen in den Jahren danach revolutionierten die damalige Vorstellung von Mode.

Yves Saint Laurent schuf den "androgynen Typ" in einer Zeit, in der die Weiblichkeit der Frau im Vordergrund stand - neben dem Damen-Smoking entwarf er gerade geschnittene Blazer und gerade lange Oberteile zu engen, kniekurzen Röcken. 1968 erfand er den Safari-Look; in den 70er-Jahren ließ er sich von russischer Folklore inspirieren.

Erste Pret-a-porter-Kollektion

Als erster Pariser Modeschöpfer brachte er 1966 eine eigene Pret-a-porter-Kollektion auf den Markt, mit er er großen geschäftlichen Erfolg hatte. Dazu bot er unter dem Label YSL Kosmetik und Parfüms für Frauen und Männer an. Doch die Belastung wurde ihm zu viel; Mitte der 80er-Jahre wurden Teile des Modeimperiums verkauft.

YSL war ausgebrannt. Abgemagert nahm er im Januar 1990 den Beifall für seine Haute-Couture-Kollektion entgegen. Bei den Pret-a-porter-Schauen wenige Monate später nahm er an der Präsentation seiner Entwürfe gar nicht teil. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, lebte auf dem Land und hielt sich auf seinem Besitz in Marokko auf.

1993 übernahm der Konzern Sanofi das Modeimperium von YSL; er und Berge behielten in der Sparte Haute Couture eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent und bekamen die Zusicherung, allein für das Modegeschäft zuständig zu sein. Die Prêt-à-porter-Kollektionen entwarf seit 1998 der Designer Alber Elbaz. Im Jahr 2000 stieg Gucci ein.

Ausstieg

Anfang 2002 verkündete Saint Laurent - in Frankreich inzwischen eine nationale Institution - seinen Ausstieg aus der Branche. Berge ließ durchblicken, er sei über die Entwicklung in der Modewelt der vergangenen Jahre nicht sehr glücklich gewesen. "Er fühlte sich ein bisschen isoliert im gegenwärtigen Rahmen, in dem die Haute Couture nicht mehr das ist, was sie einmal war."

Bei der letzten YSL-Show Ende Januar 2002 gab sich 'tout' Paris die Klinke in die Hand. Von Claudia Schiffer über Jerry Hall und Bernadette Chirac bis zu Catherine Deneuve - alle waren gekommen. Beim Abschiedslied, das die Deneuve zusammen mit Model Laetita Casta für YSL sang - "Ma plus belle histoire d'amour, c'est vous" (frei übersetzt: Die größte Liebe verband mich mit Ihnen) - flossen Tränen. Seitdem ist Yves Saint Laurent Geschichte. (APA/AP)

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