Geplante Sozialpartner-Vereinbarung über Anstellung freier Dienstnehmer unter Beschuss - GPA will sich nicht unter Druck setzen lassen
Wien - Die österreichischen Callcenter-Betreiber drohen wegen einer geplanten Vereinbarung, wonach normal beschäftigte Mitarbeiter künftig angestellt werden müssen, mit dem Abzug von tausenden Arbeitsplätzen aus Österreich. Von 30.000 Call-Center-Jobs in Österreich dürften 10.000 ins Ausland verlagert werden, sagte Thomas Kloibhofer, Chef des Unternehmens Competence Call Centers (CCC), in einem Interview mit der "Presse" (Freitagausgabe).
Die Sozialpartner verhandeln seit Ende Juni über eine solche Vereinbarung. Laut Gewerkschaft hat die österreichische Callcenter-Branche rund 10.000 freie Mitarbeiter, wovon rund 8.000 wie Angestellte beschäftigt seien sollen. Im Gegensatz zu Angestellten gelten sie jedoch als freie Dienstnehmer und haben weder Arbeitslosenversicherung noch Mindestlöhne. Wirtschaftskammer und Gewerkschaft haben angekündigt, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber weitgehende Rechtssicherheit schaffen zu wollen.
Nicht unter Druck setzen lassen
Die Gewerkschaft privater Angestellter (GPA) will sich von der Drohung nicht unter Druck setzen lassen. "Es ist befremdend, wie Unternehmen versuchen, arbeits- und sozialrechtliche Standards zu umgehen und Kosten zu Lasten der Beschäftigten einzusparen", teilte der stellvertretende GPA-Bundesgeschäftsführer Karl Proyer heute, Freitag, in einer Presseaussendung mit.
"Wichtig ist die soziale Absicherung der vielen Beschäftigten in Call-Centern, denen jetzt eine Arbeitslosenversicherung und die Absicherung bei Krankheit fehlen", so Proyer weiter. Vor allem in externen Call-Centern würden viele Beschäftigte nicht angestellt, "sondern nur als freie Dienstnehmer engagiert unter dem Deckmantel der Flexibilität", so Proyer. Für die so genannten 'Freien' hingegen bedeute Flexibilität Anpassungsfähigkeit an die Bedürfnisse der Unternehmen, keine existenzielle Absicherung bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit und eine unsichere und prekäre Einkommenssituation. Die GPA hat gefordert, Mitarbeiter künftig normal einzustellen.
Flächendeckende Prüfung
Mittlerweile wird die Call-Center-Branche auch durch die Gebietskrankenkassen flächendeckend geprüft. "Die GPA ist bereit vernünftige flexible Regelungen für die Call-Center-Agents mit den Arbeitgebern abzuschließen", so Proyer. Ziel ist auch der Abschluss eines Kollektivvertrages für Beschäftigte in Call-Centern. Im Frühjahr 2006 wurde eine Offensive zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Call-Centern gestartet.