Donau bekommt ihre Au zurück

13. August 2006, 19:02
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In der Wachau und im Nationalpark wird der Strom naturnäher - Naherholungsgebiet für die Anrainer geschaffen

Spitz/Orth a. d. Donau – Eine Au unweit von Spitz wird dem Donaustrom zurückgegeben – und das ist für Hannes Seehofer ein großer Erfolg. "Nach dem Öffnen des Nebenarms bei Grimsing wird wieder Wasser durch den Auwald fließen. So schaffen wir eine fünf Hektar große Insel und mehr Laichplätze für den Huchen und andere Donaufische", schildert der Leiter des EU-Life Naturprojekts "Gewässervernetzung Grimsing".

Um diesen naturnahen Zustand wiederherzustellen, fahren im September erst einmal die Bagger auf. Geschätzte 200.000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, um den Durchstich von der Donau in die Au und – ein Stück weiter stromabwärts – aus der Au in die Donau zu schaffen. Früher, vor der Strom-Regulierung und den Kraftwerksbauten, sei die Flut kontinuierlich in den Nebenarm eingesickert, weiß Seehofer. Doch die Verlandung habe "die übrig gebliebenen Lacken bei niedrigen Pegelständen zu wahren Fischfriedhöfen gemacht".

In der Wachau ist das Grimsinger Donau-Renaturierungsprojekt das zweite seiner Art. Bei Rossatz wurde per EU-kofinanzierter Gewässervernetzung bereits – naben mehr Platz für die Fische – ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Anrainer geschaffen. "Achtzig einzelne Grundstücksbesitzer", so Seehofer, hatten davor ihr Einverständnis gegeben, um die Donau nahe Landschaft zumindest partiell wieder in ihren Naturzustand zu bringen.

Die heutigen Auen mit ihrer dichten Vegetation, seien bereits das Ergebnis der Donau-Zähmungsmaßnahmen, erläutert Erika Hofer, Sprecherin des Nationalpark Donauauen in Orth: "Ohne zusätzliche Bewässerung wird sie über kurz oder lang zum Mischwald".

Im Nationalpark wurden – ebenfalls im Rahmen eines Life-Projekts – zum Beispiel bei Orth und Schönau Nebengewässer mit dem Hauptstrom vernetzt. Das ermöglichte unter anderem die Nachzucht und neuerliche Verbreitung des Hundsfisches. Im Frühling diesen Jahres wurden dann gegenüber von_Hainburg auf einer Strecke von drei Kilometern die aus Tonnen über Tonnen von Steinblöcken bestehende Donauuferbefestigung entfernt.

Sand statt Steinen

Seither machen sich an der Grenze zwischen Wasser und Au inzwischen Sand und Schotterbänke breit. Vorteil für Hainburg, die Stadt gegenüber: Bei Hochwasser haben die Fluten mehr Platz zum Ausweichen. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 4. August 2006)

  • Links die Donau, rechts der Nebenarm, in der Mitte eine neue Insel: Die vernetzten Gewässer bei Rossatz in der Wachau haben sich zu Badegebieten für Naturfreaks entwickelt.
    foto: standard/seehofer

    Links die Donau, rechts der Nebenarm, in der Mitte eine neue Insel: Die vernetzten Gewässer bei Rossatz in der Wachau haben sich zu Badegebieten für Naturfreaks entwickelt.

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