Prince Rupie, Herr des Goldes der Stones

3. August 2006, 19:08
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Kopf des Tages: Ruprecht Ludwig Ferdinand Prinz zu Loewenstein-Wertheim- Freudenberg, 73

"Rupie, the Groupie" sagen die schwerreichen Altrocker angeblich zu ihm. "Er ist viel mit den Stones unterwegs", sagt seine Tochter Maria Theodora Marjorie - im Alltag einfach nur Dora - Löwenstein, selbst erfolgreich im Kommunikationsbusiness. Der Prinz aus altem baden-württembergischen Adelsgeschlecht hat Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts & Co in den frühen 70er-Jahren aus den Knebelverträgen ihres damaligen Managers Alan Klein gerettet. Ohne Prinz Rupert wären die Rolling Stones heute arm wie Kirchenmäuse. Trotz künstlerischer Erfolge standen sie 1969 vor dem Bankrott.

Darob jubilierende Sittenwächter hatten die Rechnung ohne Rupie gemacht. Jahrelang rätselten Experten darüber, wie der Prinz zu Loewenstein-Wertheim-Freudenberg die riesigen Mengen Geld, die die Stones mit Tourneen, Platten, Werbeverträgen und Sonstigem verdienten, über Schachtelkonstruktionen und Offshore-Firmen anlegte. Jetzt, da die Stones - auch schon Mitte 60 - ihren Nachlass in Stiftungen regelten, kam einiges heraus: Das Imperium wurde über eine Amsterdamer Holding namens Promogroup gesteuert, daran hängt ein weiteres Dutzend Finanztöchter. Man residiert an der noblen Herrengracht. Der Prinz schaffte es angeblich, 450 Millionen Euro dorthin zu transferieren, und dem niederländischen Fiskus gerade 1,6 Prozent Steuer zu zahlen.

Über Rupie selbst weiß man außerhalb seines Freundeskreises - neben dem europäischen Hochadel, dem Stones-Tross und auch Ahmet Ertegun, Gründer der legendären Plattenfirma Atlantic Records, - nur wenig. Er wurde auf Mallorca geboren, wahrscheinlich 1933, und verbrachte die Kindheit in England.

Seit 1957 ist er mit der schönen anglo-irischen Adeligen Josephine, geborene Lowry-Corry, verheiratet. Sohn Konrad ist katholischer Geistlicher, Sohn Rudolf ist Dominikaner und lehrt Philosophie in Oxford, Tochter Dora ist mit einem italienischen Grafen verheiratet, PR-Beraterin sowie Mitautorin des Buches "According to the Rolling Stones". Loewenstein gilt als großartiger Geschichtenerzähler und trotz seiner Tätigkeit im Rockbusiness als sehr traditionsbewusst.

Als junger Mann arbeitete der Prinz neun Jahre in der Geschäftsbank Bache & Co, als er 1962 mit Studienkollegen aus Oxford - der Nachfahre der Wittelsbacher studierte mittelalterliche Geschichte - das Bankhaus Leopold Joseph & Sons übernahm. 1981 zog sich Prinz Rupert aus der Bank zurück und wurde hauptberuflich Vermögensberater.

Die Rupert Loewenstein Ltd. mit Sitz in der King Street in London schrieb zwischenzeitlich sogar Verluste. Was aber nicht unbedingt auf eine mangelnde Geschäftstüchtigkeit des Eigentümers zurückzuführen sein dürfte, sondern eher auf das Gegenteil. (Leo Szemeliker / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.8.2006)

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