Lernen unerwünscht?

20. Oktober 2006, 10:11
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Brief einer indirekt Betroffenen

Hiermit möchte ich die Objektivität und Aussagekraft des EMS-Tests, an dem meine Tochter teilnahm, infrage stellen. Die Auswertung erfolgte anonym und elektronisch, ohne Einklagsrecht: "Nicht berechtigt zu studieren. Nähere Informationen im August".

Meine Tochter besuchte in Wien ein Realgymnasium mit Schwerpunkt Naturwissenschaften: dreistündige Schularbeiten in Physik und Biologie; Bio-, Physik- und Chemielabor; Matura mit ausgezeichnetem Erfolg abgelegt. Und nun sagt man ihr, sie sei nicht geeignet, naturwissenschaftlich zu arbeiten? Könne nicht zielstrebig lernen? In Deutschland dürfte sie ohne Test studieren.

Bitte, Mütter von Töchtern und Söhnen, sagt euren Kindern, dass es keinen Sinn macht, sich in der Schule um gute Lernerfolge zu bemühen. Sagt ihnen: Lieber eine schlechtere Note im Maturazeugnis, denn das zählt ohnehin nicht! Lernt für einen Test, dessen Ergebnis von eurer individuellen Tagesverfassung abhängt!

Man muss als Elternteil natürlich auch noch schauen, dass sich das Kind an diesem Tag nichts bricht oder eine Infektion bekommt, denn einen zweiten Termin gibt es erst in einem Jahr. Eignung hin oder her, objektiv oder nicht, meine Tochter zweifelt nun an ihrer Intelligenz und ich am Schulwesen, im Besonderen an der Aussagekraft einer sehr gut bestandenen Matura

Österreichische Maturanten sind nicht dümmer als deutsche Numerus-clausus Flüchtlinge. Sie hatten nur keine Zeit, sich auf den Test vorzubereiten - sie mussten eine Matura bestehen! (DER STANDARD Printausgabe, 4. August 2006)

Von Barbara Mittringer, Standard-Leserin
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