„Wir werden noch stärker als bisher“

3. August 2006, 18:10
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Hisbollah-Funktionär Ibrahim Moussawi im STANDARD-Interview: Die israelische Offensive wird scheitern

Der Hisbollah-Funktionär Ibrahim Moussawi gibt sich siegessicher im Gespräch mit Alfred Hackensberger. Die Katjuscha-Raketen bringen Israel an den Verhandlungstisch, glaubt er.

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STANDARD: Die israelische Regierung, aber auch Militärexperten im Libanon glauben, dass es am kommenden Wochenende mit dem Widerstand der Hisbollah vorbei ist.

Moussawi: Ich kann Ihnen das Gegenteil versichern. Die Hisbollah wird in politischer wie militärischer Hinsicht noch stärker als bisher. Israel hat nicht einmal ein Prozent unserer militärischen Infrastruktur zerstört. Täglich werden mehr und mehr Katjuscha-Raketen abgeschossen, nicht weniger.

STANDARD: Die Hisbollah kann die neue Bodenoffensive der israelischen Armee stoppen?

Moussawi: Ja, natürlich. Wir vertrauen voll und ganz in unsere militärischen Fähigkeiten. Nach unseren Erkenntnissen wird die israelische Offensive scheitern, wie alle anderen zuvor gescheitert sind.

STANDARD: Die Hisbollah hat die Leitung kommender Waffenstillstandsverhandlungen Premierminister Fuad Siniora übertragen. Klappt die Zusammenarbeit mit der libanesischen Regierung im Krieg besser als in Friedenszeiten?

Moussawi: Ja, wir kommen einander näher und näher. Aber die Hisbollah hat noch nie gegen die Regierung gearbeitet, schließlich stellen wir zwei Minister im Kabinett. Zudem gibt es eine Vereinbarung mit der Regierung, die besagt, die Hisbollah darf gegen Israel weiterkämpfen, bis die Shebaa-Farmen und die libanesischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen befreit sind.

Diese Vereinbarung wurde beim Amtsantritt von Premierminister Siniora und seinem Kabinett durch das Parlament ratifiziert. Es gibt also keine grundsätzlichen Differenzen. Höchstens in der Frage, ob internationale oder UN-Truppen im Grenzgebiet stationiert werden. Die Hisbollah möchte genau wissen, aus welchen Ländern die Truppen stammen und was ihre exakte Mission ist.

STANDARD: Ist denn zwischen internationalen und UN-Soldaten ein großer Unterschied?

Moussawi: Sehen Sie, wir möchten vermeiden, dass sich ausländische Mächte in die internen Angelegenheiten des Libanon einmischen. Wenn die USA und Israel entsprechend ihrer Interessen eine UN-Resolution initiieren, bekommen wir im Libanon innenpolitische Probleme. Das wollen wir nicht.

STANDARD: Ist die Hisbollah bereit, ihre Waffen aufzugeben?

Moussawi: Unsere Waffen sind ein Weg zur Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon. Wenn dieses Ziel auf andere Weise erreicht werden kann, dann geben wir gerne unsere Waffen auf. Kein Problem! Aber das sollte später in einem nationalen Dialog diskutiert werden, nicht aufgrund eines Diktats Israels oder der USA. Zuerst muss es Waffenstillstandsverhandlungen geben.

STANDARD: Sie wollen Israel mit den Katjuscha-Raketen an den Verhandlungstisch bringen?

Moussawi: Ja, natürlich. Wir wollen mit Israel jedoch nicht direkt verhandeln. Das soll die libanesische Regierung oder ein anderer Mediator machen.

STANDARD: Glauben Sie wirklich, Israel mit Gewalt zu Verhandlungen zu zwingen?

Moussawi: Israel versteht nur die Sprache der Gewalt. Die israelische Armee kann die Hisbollah nicht besiegen, das ist einfach unmöglich. Ebenso wenig können wir Israel, die stärkste Militärmacht der Region, besiegen. Es wäre absurd, dies zu behaupten. Aber es gibt auch andere Formen zu siegen, indem man erfolgreich widersteht. Wie Hassan Nasrallah in seiner TV-Ansprache letztes Wochenende sagte: Der Sieg der Hisbollah ist ein Sieg für alle Libanesen, egal zu welcher Religion oder politischen Gruppierung sie gehören. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.8.2006)

  • Zur PersonIbrahim Moussawi ist Direktor der politischen Programme des Hisbollah-TV „Al Manar“, war Pressesprecher der Schiitengruppe und wird auch als Leiter ihrer „Internationalen Abteilung“ beschrieben.

    Zur Person

    Ibrahim Moussawi ist Direktor der politischen Programme des Hisbollah-TV „Al Manar“, war Pressesprecher der Schiitengruppe und wird auch als Leiter ihrer „Internationalen Abteilung“ beschrieben.

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