"Das ist der Freiraum des Eigentümers"

24. August 2006, 12:32
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Hypo-Aufsichtsrat Ederer verteidigt im STANDARD-Interview Kulterers Verschiebung in den Aufsichtsrat und seine Gage

STANDARD: Sie haben bei der Vertragsauflösung von Hypo-Alpe-Adria-Chef Wolfgang Kulterer eine Kehrtwende gemacht. Er bekommt jetzt seine Vorstandsgage doch "nur" bis Ende 2007 bezahlt und nicht, wie Sie noch am Dienstag angekündigt hatten, bis 2011. Warum haben Sie dem politischen Druck von Landeshauptmann und Miteigentümervertreter Jörg Haider nachgegeben?

Othmar Ederer: Das hat damit nichts zu tun. Wir hatten erst am Mittwoch-Nachmittag über die Vertragsauflösung verhandelt, und Kulterer hat uns diesen Lösungsvorschlag, der jetzt angenommen wurde, selbst gemacht. Kulterer wollte bei seinen Darstellungen seinen Entscheidungsraum halt nicht einengen.

STANDARD: Am Dienstagmittag hatten Sie aber doch selbst in einer Pressekonferenz in Wien gesagt, sein Vertrag laufe noch viereinhalb Jahre und würde korrekt ausbezahlt.

Ederer: Zu diesem Zeitpunkt lagen die Verhandlungen noch vor uns, und ich habe nur gesagt, dass wir vertragstreu sein werden. Faktum ist jetzt, dass Kulterers Vorstandsvertrag per 30. September 2006 beendet wird, Kulterer verzichtet daher auf rund 70 Prozent seiner Ansprüche.

STANDARD: Ein Verzicht, von dem normalsterbliche Arbeitnehmern nur träumen können. Wird er neben seiner Aufsichtsratsentschädigung einen Konsulentenvertrag bekommen?

Ederer: Nein.

STANDARD: Fühlen Sie sich von Haider, der das Land mit seinen 49,4 Prozent an der Bank vertritt, vorgeführt? Er hat extremen Druck gemacht, dass Kulterer verzichtet; will, dass er in den Vorstand zurückkehrt, weil man "sonst den Kampf mit der FMA gar nicht aufgenommen hätte".

Ederer: Zu letzterem sage ich gar nichts. Wir sind in völlig unterschiedlichen Geschäften tätig: Ich bin für ein Unternehmen zuständig, Haider für Politik. Wir als Miteigentümer wollen die Bank, die exzellent dasteht, aus den Schlagzeilen bringen, aber da gibt es natürlich eine extrem starke politische Dimension.

STANDARD: Gäbe es die nicht: Wären Sie mit den Verlusten, von denen Sie ein halbes Jahr nach ihrem Entstehen erfahren haben, und mit deren Bilanzierung 2004 anders umgegangen? Hätten Sie Kulterer seinen Rücktritt nahe gelegt, statt seinen Vertrag Anfang des heurigen Jahres noch einmal zu verlängern?

Ederer: Das Management hat das 2004 gut gemeint, aber nicht treffsicher gemacht. Ich habe von dem Schaden im Juni 2005 erfahren und mich damals entschieden, hinter Kulterer zu stehen. Dass die gewählte Bilanzierungsform nicht zulässig ist, habe ich nicht gewusst.

STANDARD: Wäre das Unternehmen börsennotiert und dem Corporate Governance Codex unterworfen, dürften Sie Kulterer gar nicht gleich in den Aufsichtsrat setzen. Warum halten Sie sich nicht an die Regeln der modernen Wirtschaft?

Ederer: Auch wenn ich es mir damit nicht leichter mache: Wir als Grawe halten Kulterer als Leitfigur der Bank, bei der er mit 250 Mitarbeitern und einem Verlust von 19 Millionen angefangen hat, für ein extrem wichtiges Asset. Daher versuche ich, ihn weiter an Bord zu halten. Das ist der Freiraum, den der Eigentümer hat. Zumal wir bei der Hypo eine Ausnahmesituation hatten. Und wir haben Signale von der Finanzmarktaufsicht FMA, dass das eine taugliche Lösung ist.

STANDARD: Mit windschiefer Optik: Die FMA hätte Kulterer als Vorstand abgesetzt, wäre er ihr nicht zuvorgekommen. Es laufen gerichtliche Vorerhebungen gegen ihn – und Sie küren ihn zum obersten Chef des Aufsichtsgremiums der Bank.

Ederer: Uns ist die schiefe Optik, wie Sie das nennen, weniger wichtig als die Ressource Kulterer. Er hat ja nicht in die Kasse gegriffen, sondern ist für einen Fehler verantwortlich. Und wir haben wichtige Schritte gesetzt, mit denen wir unser Interesse an einer ernsthaften Lösung beweisen: Die Entsendung von Grawe-Vizechef Siegfried Grigg in den Vorstandsvorsitz der Hypo und die Bestellung von Vorständen für Treasury und Risikomanagement erfolgt ja nicht aus Jux und Tollerei.

ZUR PERSON: Othmar Ederer, 55, ist seit sechs Jahren Vorstandschef der Grazer Wechselseitigen Versicherung und Vizepräsident des Hypo-Alpe-Adria-Aufsichtsrats. Die Grawe hält 45,6 Prozent an der Bank. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.7.2006)

  • Othmar Ederer, Aufsichtsrat der Kärntner Hypo und Vorstandschef ihres Miteigentümers Grazer Wechselseitige Versicherung.
    foto: standard/fischer

    Othmar Ederer, Aufsichtsrat der Kärntner Hypo und Vorstandschef ihres Miteigentümers Grazer Wechselseitige Versicherung.

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