Riesenbetrug mit Pre-Paid-Handys?

19. Juni 2000, 12:17

Aufblähung der Kundenlisten verursacht Netzbetreibern auch Schäden

Betrüger und Schieber schädigen die deutschen Mobilfunkbetreiber laut "Focus" bei Pre-Paid-Angeboten um eine halbe Milliarde DM (3,5 Mrd. Schilling) alleine in diesem Jahr. Zehn bis 15 Prozent aller Pre- Paid-Pakete gingen nach Schätzung der Netzbetreiber verloren, schreibt das Münchener Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Manche Insider schätzten den Verlust sogar auf 30 Prozent.

Beim Pre-Paid bieten Telefongesellschaften ein Handy samt Karte für Gesprächsguthaben an. Dies geschieht meist zu Spottpreisen, um vor Beginn des kostenträchtigen UMTS-Mobilfunkzeitalters möglichst viele Kunden zu binden. So sind Handys im Werte von 250 DM samt Karte mit 25 DM Gesprächsguthaben für 99 DM oder drastisch weniger zu haben.

"Skrupellose Händler verkaufen die Pakete an Betrüger oder öffnen sie gar selbst. Im Internet kursieren die Entschlüsselungscodes für das elektronische Schloss zwischen Karte und Handy", schreibt "Focus". Viele Handys würden für 200 bis 300 DM in Richtung Osten verkauft.

Neben den direkten Kosten droht den Netzbetreibern dem Bericht zufolge ein hoher Schaden aus der Aufblähung ihrer Kundenlisten. Alle verkauften Pre-Paid-Pakete würden als Neukunden gezählt. Von den erwarteten neun Millionen Neukunden in diesem Jahr seien alleine 7,2 Millionen Pre-Paid-Nutzer. "Jeder Kunde ist an der Börse 10 000 DM wert", schreibt "Focus". "Sinkt die Betrugsquote nicht, müsste T- Mobil Ende des Jahres etwa eine Million verkaufter Karten aus der Kundenkartei streichen. Der Börsenwert der Telekom-Tochter würde damit um zehn Milliarden DM sinken." (APA/dpa)

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