GNOME gibt grünes Licht für Mono-Anwendungen

28. August 2006, 10:25
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Erste auf der freien .Net-Alternative basierende Anwendung soll bereits in GNOME 2.16 enthalten sein

Über kaum ein Thema gab es in der GNOME-Community in den letzten Monaten und Jahren hitzigere Diskussionen, als um die Frage, ob Mono-Anwendungen in den Desktop aufgenommen werden sollen. Während die einen in der freien .Net-Alternative schlicht ein Tool sehen, das ihnen eine flottere Entwicklung erlaubt, befürchten die anderen dadurch ein Einfallstor für mögliche Patentklagen durch Microsoft.

Aufnahme

Das GNOME Release Team hat nun jedenfalls seine Entscheidung in dieser Frage getroffen: GTK#/Mono-Anwendungen dürfen künftig in die Desktop- und Admin-Komponenten der Software aufgenommen werden. Allerdings hat man diese Erlaubnis mit einer Einschränkung versehen: Wollen bestehende Desktop-Anwendungen Mono-Bestandteile einbauen, werden sie wie neue Module behandelt, die die Zustimmung des Release Teams zur Aufnahme benötigen. Auf diese Weise soll wohl verhindert werden, dass in C#/Mono geschriebene Code-Teile in Kernkomponenten des Desktops wandern.

Entscheidend

In einem Mail an die EntwicklerInnen gesteht man ein, dass die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, da es auch im Release Team selbst sehr unterschiedliche Sichtweisen der Thematik gäbe. Man hoffe aber mit dem Kompromiss eine Lösung gefunden zu haben, mit der alle Seiten leben können.

Patentfragen

Dass GTK#/Mono-Anwendungen nach den Jahren des Streits nun doch ihren Weg in den GNOME-Desktop finden, ist wohl vor allem dem Umstand zu verdanken, dass ehemals prominente Gegner der Aufnahme mittlerweile von ihrer Position abgegangen sind. So liefert etwa Red Hat seit kurzem selbst Mono und darauf basierende Anwendungen in Fedora Core aus. Grund dafür ist, dass man die rechtlichen Bedenken durch die Gründung des Open Invention Networks (OIN) als nicht mehr relevant ansah. Das OIN ist ein Patentpool von großen Unternehmen wie IBM, Sony, Philips, Novell und eben Red Hat, das Linux vor entsprechenden Klagen schützen soll.

Reality Check

Andererseits hat man sich wohl auch den Realitäten gestellt: Mono erfreut sich zunehmender Beliebtheit unter den GNOME-EntwicklerInnen, während die klassische GNOME-Entwicklungssprache C kaum mehr für neue Programme zum Einsatz kommt.

Tomboy

Als erste Anwendung soll das Desktop-Wiki Tomboy von der neuen Regelung profitieren, es wird mit GNOME 2.16 in die Release aufgenommen. Die dazu notwendigen GTK#-Bindings sollen ebenfalls ihren Weg in das Release-Set finden.

Python

Mono / C# ist nicht die erste "High-Level-Language" die offiziell als Sprache für die GNOME-Entwicklung zugelassen wird. Bereits mit der letzten Release hatten erste in Python verfasste Komponenten ihren Einzug gehalten. Die Kernkomponenten von GNOME sind hingegen weiterhin in C geschrieben. (apo)

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