141 Fälle und keine Frau kommt zu Wort

19. Juni 2000, 10:20

Bericht über sexuelle Belästigung innerhalb Deutscher Bundespolizei

Hamburg - Bei den deutschen Bundespolizeibehörden sind einem Pressebericht zufolge in den vergangenen Jahren 141 Fälle von sexueller Belästigung von Beamtinnen registriert worden. Das berichtet die Zeitung "Welt am Sonntag" unter Berufung auf eine vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegebene und vom Bundesfamilienministerium geleitete interne Untersuchung. Dem Bericht zufolge wurden beim Bundeskriminalamt und beim Bundesgrenzschutz seit Anfang der neunziger Jahre insgesamt 141 Fälle registriert.

Frauen selbst nicht befragt

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, nannte die Erhebung "nicht brauchbar", da die Frauen selbst gar nicht befragt und nur Fälle registriert worden seien, bei denen es intern zu einer Anzeige gekommen sei. "Das Beschäftigungsschutzgesetz hat nicht so gegriffen, wie es greifen sollte", sagte Schewe-Gerigk. Es müsse, wie bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen, dringend novelliert werden.

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der PDS räumte die Bundesregierung laut "WamS" ein, dass bei der Umsetzung des 1995 in Kraft getretenen Beschäftigungsschutzgesetzes, das Arbeitnehmer vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz bewahren soll, "noch Defizite bestehen, insbesondere in der Fort- und Weiterbildung". Die PDS-Abgeordnete Petra Pau sagte dem Blatt, die Bundesregierung müsse jetzt deutlich darlegen, "welche Instrumentarien sie entwickeln will, um sexueller Belästigung von Beamtinnen vorzubeugen".
(APA)

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