Weinende Geister

9. Oktober 2006, 15:08
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Von "Ghost Whisperer" können die Zuschauer in den USA offenbar nicht genug bekommen - Nicht unbedingt nachvollziehbar ...

Mit Tränen in den Augen steht der tote Paul (ja, der tote) neben Melinda und flüstert ihr zu, was sie seinem erwachsenen Sohn sagen soll. Erinnert das nicht ein bisschen sehr an den 90er-Jahre-Hit "Ghost - Nachricht von Sam"?

Gar nicht so weit verfehlt, denn gemeint ist die CBS-Serie "Ghost Whisperer", seit Dienstag auf Kabel 1. In der Hauptrolle flüstert Jennifer Love Hewitt. Ihr Charakter wurde von der Geisterbeschwörerin Mary Ann Wintkowski inspiriert. Natürlich gleicht Silikonposterkind Hewitt, der beleibten Dame aus dem mittleren Westen nicht, und auch sonst ist alles sehr plastisch amerikanisiert. Ein reinliches, kleines Städtchen ist Schauplatz der Geschichte, und alle Hauptrollen sind von schönen Menschen mit Idealmaßen besetzt.

Davon können die Zuschauer in den USA offenbar nicht genug bekommen. Die Serie zählt zu den erfolgreichsten Innovationen des Jahres. Eine Begeisterung, die nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Die erste Folge war sentimental und rührselig. Schon die Eröffnungssequenz tat wirklich weh, als nämlich die kleine Melinda bei einem Begräbnis ihre erste Erscheinung hat und mit peinlichen Offenbarungen nicht spart.

Leider kommt es zu keiner interessanten Wendung, und das Ende ist so vorhersehbar wie bei einer Meister-Proper-Werbung: Alles sauber, alles glänzt. Gegen "Geistermutter" Patricia Arquette aus der komplexeren Mysteryserie "Medium" ist Geisterflüstererin Hewitt nur eine unheimliche Kopie. (kats/DER STANDARD; Printausgabe, 3.8.2006)

  • Jennifer Love Hewitt in "Ghost Wisperer"
    foto: kabel 1/touchstone television

    Jennifer Love Hewitt in "Ghost Wisperer"

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