Du bist jung, reif und schön!

2. August 2006, 22:28
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Die erfolgreich in Brüssel arbeitende Dänin Mette Ingvartsen, ein Musterbeispiel für die junge Ästhetik im Tanz

Der künstlerische Nachwuchs in der zeitgenössischen Choreografie positioniert sich bei ImPulsTanz zwischen Postkonzeptualismus und Pluralität – skeptisch, ironisch und mit einladender Geste in Richtung Publikum. Die erfolgreiche, in Brüssel arbeitende Dänin Mette Ingvartsen gilt als Musterbeispiel für die junge Ästhetik im Tanz.


Junge Choreografen in den Ländern der so genannten Ersten Welt haben bessere Chancen denn je. Projekte, Gruppen, Infrastrukturen und zunehmend mehr Ausbildungen werden von öffentlicher Hand finanziert. Außerdem wächst das Interesse an zeitgenössischem Tanz immer noch, konstant und nachhaltig. Heute dürfen Tanzschaffende Dinge tun, von denen ihre Vorgängergenerationen nicht einmal zu träumen wagten.

Das ästhetische Feld ist herrlich weit geworden. Während des P.A.R.T.S.-Abends etwa, an dem Studenten der renommierten Brüsseler Schule ihre Abschlusswerke vorstellen, wird am 11./12. August bei ImPulsTanz zu sehen sein, welche Ästhetiken ganz junge Künstler und Künstlerinnen derzeit beschäftigen.

Spannungsfelder

Mit Felix Marchand, Maria Hassabi, dem Kollektiv Lisa, Alexandra Bachzetsis und Ann Liv Young konfrontieren in der Reihe [8:tension] erfahrene Choreografen der jüngeren Generation ihr Publikum mit sehr verschiedenen künstlerischen Zugängen. Und im Grunde gelten auch Hans Van Den Broeck oder Salva Sanchis, DD Dorvillier und Sidi Larbi Cherkaoui – die noch im Festival zu sehen sein werden – als junge Choreografen.

Als reife Künstler firmieren dagegen Mathilde Monnier, Raimund Hoghe und Ismael Ivo. Die Generation dazwischen vertreten Bénoît Lachambre, Jérôme Bel, Frans Poelstra, Akemi Takeya und Jennifer Lacey.

Die in Brüssel arbeitende Dänin Mette Ingvartsen gehört der jüngsten Choreografengeneration an. Die heute 26-jährige P.A.R.T.S.-Absolventin war bereits ab 2003 mit ihren beiden Arbeiten Solo Negatives und Manual Focus international erfolgreich. Sie gehört zu einer zweiten konzeptorientierten Generation von Choreografinnen, die jeden Baustein, der Tanz und Performance mit ausmacht, neu untersucht.

Die Haut als Kostüm

Ingvartsen arbeitet mit bestechender Klarheit und einer guten Portion Ironie. Ihr Solo 50/50 sprengt die Ernsthaftigkeit des Konzeptualismus noch einmal auf, nachdem sie bereits von Jérôme Bel und Mårten Spångberg gebrochen worden war. Ingvartsen behält nur eine orange Perücke und ein Paar Sneakers an.

Der Rest ist Musik, zum Beispiel ein Rockkonzert von Deep Purple, oder Oper und Gestik beziehungsweise Mimik. Die Tänzerin reagiert auf die Musik. Sie lässt Teile ihres Körpers tanzen, sie stellt eine Konzertsituation her und sie trägt ihre Haut als Kostüm, ebenso die Eigenarten ihres Körpers und dessen Selbstchoreografie. Mit 50/50 inszeniert sie ein etwas anderes Spektakel, das jung und reif zugleich ist. (Helmut Ploebst/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.8.2006)

"50/50" im Schauspielhaus, 8. 8., 22.00/23.00, 9. 8., 22.00
  • Mette Ingvartsen: 
"50/50"
    foto: impulstanz/ peter lenaerts

    Mette Ingvartsen: "50/50"

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