Gebühr für RTL und MTV ab 2007 - Mit Reaktion von Astra

25. Oktober 2006, 12:20
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3,50 pro Monat - Andere Verschlüsselung als ORF über Satellit - ProSiebenSat.1 verhandelt noch

Ab 2007 kosten nicht nur öffentlich-rechtliche Anstalten und Paysender wie Premiere monatliche Gebühren. Mittwoch unterschrieben RTL und MTV die Verträge darüber für ihre deutschsprachigen Programme mit Astra. Das Kartellamt muss sie erst absegnen. Mit ProSiebenSat.1 verhandelt Europas größter Satellitenbetreiber noch. Auch der TV-Konzern will verschlüsseln.

Im ersten Halbjahr 2007 startet Astra sein kostenpflichtiges Angebot. "Bis zu 3,50 Euro" soll es pro Monat kosten, der nötige Decoder ab "unter 100 Euro", sagt ein Astra-Sprecher dem STANDARD. Einige Monate laufen die digitalen Satellitenversionen von RTL, Vox, RTL II, Super RTL, n-tv, RTL Shop und Traumpartner TV sowie MTV, VIVA, NICK und Comedy Central dann noch parallel frei empfangbar wie bisher und verschlüsselt. Dann ist für digitale Satellitenseher ohne Gebühr Schluss.

Andere Verschlüsselung als ORF über Satellit

Wer noch einen analogen Sat-Empfänger hat, hat RTL-Programme bis 2011, schätzt Astra-Sprecher Markus Payer.

In Österreich wird es für den Luxemburger Satellitenriesen ohnehin schwierig: Der ORF verschlüsselt nicht mit Nagra wie Astra und das Pay-TV Premiere, sondern mit Cryptoworks. Und er hat bereits die passenden Decoder in gut 600.000 der rund drei Millionen österreichischen Fernsehhaushalte stehen.

"Wir wollen helfen, dass die Zuschauer nicht neben ihren Fernsehgeräten die Settopboxen stapeln müssen", sagt Payer. Aber nur ein Teil der ORF-Boxen hat ein Modul, um mit passenden Karten auch die Verschlüsselung zu wechseln.

Der Astra-Sprecher lässt durchklingen, seine Firma hofft, auch die ORF-Programme auf die Nagra-Plattform zu bekommen. Doch die Anstalt kann kein Interesse haben, damit ein Verschlüsselungssystem zu fördern, das zugleich Premiere und künftige andere Pay-Programme von Privaten ins traute Heim serviert.

In Deutschland will RTL auch digitales Antennenfernsehen verschlüsseln

Mit mehr als einer halben Million Haushalten im Rücken argumentiert der ORF leicht, seine Cryptoworks-Plattform sei für andere Private offen wie schon für ATV.

RTL & Co werden ungern auf die 600.000 Haushalte verzichten: Sie verdienen mit Werbefenstern für Österreich gut - und desto besser, je mehr Zuschauer sie erreichen.

In Deutschland will RTL auch digitales Antennenfernsehen verschlüsseln. In Österreich, wo es Ende Oktober startet, ist derlei nicht geplant. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 3.8.2006)

Reaktion von Astra

Astra-Sprecher Markus Payer hält in einer Reaktion fest, dass SES Astra mit dem Dolphin-Projekt daran interessiert sei, eine digitale Satelliten-Infrastruktur zu schaffen, "die offen und neutral für alle Sender ist und ihnen die Entwicklung einer möglichst großen Bandbreite von Programmen und Diensten erlaubt."

"Dies ist im Interesse der Zuschauer und schafft Mehrwert, da es die Darstellung einer möglichst großen Palette auf einer offenen und homogenen Infrastruktur erlaubt."

Es sei sicherlich im Interesse der Zuschauer zu vermeiden, so Payer weiter, "dass für vielerlei Satelliten-Angebote künftig mehrere Set-top-Boxen neben dem Fernseher angeschlossen werden müssen." Man führe auf vielen Ebenen Gespräche zur Nutzung von Dolphin. "Wir sind ein Infrastruktur-Betreiber, der keinerlei Interessen im Inhalte- oder Hardware-Bereich verfolgt, und sind daher gegenüber Sendern und Boxen-Herstellern völlig neutral und offen. Unsere Technik steht allen Sendern zur Nutzung bereit. Als neutraler Technik- und Service-Provider stellen wir uns in keinem Falle in einen Interessenkonflikt mit unseren Kunden, den Sendern."

"Über die Interessen und Absichten unserer Kunden äußern sich allein unsere Kunden. Dies gilt selbstverständlich auch für den ORF", so Astra. (red)

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