"Ganzes Engagement auf dem Prüfstand"

22. August 2006, 13:56
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Alfred Ötsch greift im STANDARD-Gespräch die slowakische Regierung an und stellt den Sitz von Tyrolean in Innsbruck infrage

Mit dem AUA-Chef, der seit hundert Tagen im Amt ist, sprach Kurt Hofmann.

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STANDARD: Sie prüfen die Marke Lauda Air, ob diese erhalten werden soll oder verschwindet. Wann gibt es eine Entscheidung?

Ötsch: Für die Prüfung der Marke Lauda Air nehmen wir aussagekräftige Daten zur Hand. Eine Entscheidung werden wir nicht vor Ende September treffen. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, dass das Redesign der Flotte etwas kostet und nicht von einem Tag auf den anderen umgesetzt werden könnte. Allein die Kosten für die erforderlichen Standzeiten sind beträchtlich.

STANDARD: Effizienz einer Fluglinie bedeutet auch, dass alle Gesellschaften von einem Sitz aus geführt werden. Wollen Sie die Tyrolean Airways, welche unter der Marke Austrian Arrows fliegt, noch länger in Innsbruck lassen?

Ötsch: Das ist ein sehr heikles Thema. Aber die wirtschaftliche Situation steht über allem. Wir sind ein Konzern, alle Entscheidungen sind aus Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Konzerns zu treffen. Ich werde soweit wie möglich auf regionale Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, aber das muss alles in das übergeordnete Interesse des Unternehmens einzuordnen sein. Tyrolean ist gut und leistungsfähig, daher übernehme ich auch die moralische Verpflichtung, dies bei Entscheidungen zu berücksichtigen. Aber jede Doppelgleisigkeit im Konzern muss gerechtfertigt sein, ob diese einen Sondernutzen hat. Sonst wird es diese nicht mehr geben.

STANDARD: Wozu benötigt man eigentlich Slovak Air, an welcher die AUA 62 Prozent Anteil hält?

Ötsch: Damals war die Entscheidung für die Beteiligung an Slovak Air logisch und nachvollziehbar. Aus heutiger Sicht schaut dies anders aus. Ich muss das heute aktuell beurteilen und wir sehen, dass es gar nicht so leicht ist, in Bratislava Geschäft zu machen.

STANDARD: Macht dann die Beteiligung eigentlich noch Sinn?

Ötsch: Wir haben im Grunde mit der Rettung der Slovak Air auch der slowakischen Regierung einen Gefallen getan. Aber da gibt es Zusagen vonseiten der Regierung, die bis heute nicht eingehalten wurden, nämlich die Übernahme der zum Zeitpunkt des Anteilserwerbs bestehenden Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Das war ein Bestandteil des ganzen Deals und wir werden darauf nicht verzichten. Wenn die Zusage des Ministeriums nicht erfüllt wird, steht das ganze Engagement auf dem Prüfstand. Wir haben einen Vorstoß beim neuen Minister gemacht und erwarten von ihm die Einhaltung der Zusagen seines Vorgängers.

STANDARD: Viele Fluglinien gliedern ihre Wartungsbetriebe aus, da diese wegen hoher Personalkosten zu teuer werden. Sind die 1200 Mitarbeiter der AUA-Technik noch wettbewerbsfähig?

Ötsch: Wir warten ja auch Flugzeuge für die Lufthansa. Preislich können wir durchaus noch mithalten. Primäres Ziel ist aber, eine bessere Auslastung der doch sehr teuren Ressourcen am Standort Wien zu erreichen. Das ist ein sehr sensibles Thema. Von der Kostenposition her versuchen wir, mit unserem Steigerungsprogramm der Produktivität in diesem Bereich besser zu werden. Ob es reicht, kann ich heute noch nicht sagen. Wir wollen die Fähigkeiten unserer qualifizierten Mitarbeiter noch besser einsetzen. Hier sind wir auch im Gespräch mit dem Betriebsrat. Ende September wollen wir in den wesentlichsten Punkten Klarheit haben und dann die Umsetzung einleiten.

STANDARD: Gibt es konkrete Maßnahmen?

Ötsch: Wir werden für das Drittgeschäft, also der Wartung von Flugzeugen anderer Fluglinien, eine 100-prozentige Gesellschaft gründen, die Ressourcen von unserer Technik für die Abarbeitung der Aufträge verwendet. Nur eines ist schon klar, bezüglich der Qualität mache ich bei der Technik keinerlei Kompromisse, was sicherlich eine einschränkende Komponente bei allen Kostenprogrammen sein wird.

STANDARD: Haben Sie schon Alternativ-Destinationen für die Flugzeuge gefunden, welche durch die Einstellung der Australien-Strecke frei werden?

Ötsch: Wir sind auf der Suche. Drei Ziele als Fixstarter haben wir bereits (Chicago könnte eines davon sein, Anm. d. Red.). Aber wir werden uns dabei auf unsere Strategie zwischen Ost und West konzentrieren. Somit schließe ich zum Beispiel Johannesburg oder Südamerika aus. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.8.2006)

  • Zur Person
Der studierte Wirtschaftswissenschafter Alfred Ötsch (53) war bis zu seinem Wechsel zur AUA bei Siemens in verschiedenen Funktionen, zuletzt Vorstandsmitglied. Der verheiratete Vater zweier Töchter ist ein begeisterter Marathonläufer und Tourengeher.
    foto: standard/andy urban

    Zur Person
    Der studierte Wirtschaftswissenschafter Alfred Ötsch (53) war bis zu seinem Wechsel zur AUA bei Siemens in verschiedenen Funktionen, zuletzt Vorstandsmitglied. Der verheiratete Vater zweier Töchter ist ein begeisterter Marathonläufer und Tourengeher.

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