Ständelwurz oder Stendelwurz: Internet-Mahnmal für Urheber

2. August 2006, 16:25
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"Das musste sein": Reformkritische Zeitschrift Deutsche Sprachwelt glaubt ans Bröckeln der neuen Rechtschreibung und Rückkehr zur bewährten Schreibweise

Erlangen - Die reformkritische Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt" hat am Dienstag, dem Tag des In-Kraft-Tretens von Änderungen am Regelwerk, ein "Internet-Denkmal" für die Urheber der Rechtschreibreform eingerichtet. Zum zehnten Geburtstag der Reform und der Einführung der neuen Fassung würdigte Chefredakteur Thomas Paulwitz die "historischen Leistungen der Reformer" mit den Worten: "Möge ihr Werk nie vergessen werden und kommenden Generationen zur Mahnung gereichen."

Bei dem Mahnmal handle es sich nicht um den "Grabstein der deutschen Rechtschreibung", betonte Paulwitz am Dienstag: "Die deutsche Sprache wird sich von der Reform erholen. Schon jetzt bröckelt das Werk an allen Ecken und Enden. Wir werden schrittweise eine weitere Rückkehr zu den bewährten Schreibweisen erleben."

"Unbehagen und emotionale Abwehr" bei manchen Schreibkönnern

Auf der "Ehrentafel", die laufend ergänzt werden soll, präsentiert die Zeitschrift charakteristische Zitate der Hauptverantwortlichen der Reform. Der Vorsitzende der Rechtschreibkommission, Gerhard Augst, wird mit dem Satz zitiert: "Die neuen Schreibungen und Regeln lösen gerade bei manchen Schreibkönnern Unbehagen und emotionale Abwehr aus." Den Vorsitzenden des Ende 2004 eingerichteten Rechtschreibrates, Hans Zehetmair, konfrontiert Paulwitz mit der Frage, ob er sein Engagement für die Rechtschreibreform bereue: Er habe sich "aus Fürsorge um die deutsche Sprache geopfert", antwortete der frühere bayerische Wissenschaftsminister in der Tageszeitung "Die Welt" (28. Juli).

Die Änderungen der Rechtschreibreform betreffen vor allem Getrennt- und Zusammenschreibung bzw. Groß- und Kleinschreibung. Generell gilt: Es soll wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt wie "abwärtsfahren" oder "aufeinanderstapeln" . Bei feststehenden Begriffen wie "der Blaue Brief" oder "das Schwarze Brett" soll wieder "dem allgemeinen Schreibgebrauch" gefolgt und groß geschrieben werden. An Österreichs Schulen soll eine zweijährige Übergangsfrist einen fließenden Übergang sicherstellen: Ab Herbst werden Schreibweisen, die durch die neue Regelung überholt sind, zwar markiert, aber vorläufig nicht als Fehler bewertet. Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen übernehmen die neuen Regelungen voraussichtlich mit Jahreswechsel. (APA/dpa)

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    foto: deutsche-sprachwelt.de
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