Leserin protestierte und wurde daraufhin von der Redaktion als "Gutmensch" mit "offensichtlich zartem Allgemeinwissen" bezeichnet
"Neger versuchte Pensionistin zu vergewaltigen". Die Politikwissenschaftsstudentin Petra Wlasak traute ihren Augen nicht, als sie in der Wochenzeitung "Obersteirische Nachrichten" mit dieser Artikelüberschrift konfrontiert war. In ihrer Ausgabe vom 21. Juli berichtet das Blatt vom angeblichen Überfall eines "Negers" auf eine Pensionistin. Textauszüge im Wortlaut:
"Neger versuchte Pensionistin zu vergewaltigen: Gegen 12:50 drangen gellende Schreie der 83-jährigen Juliana W., die sich nach einem Schlaganfall nur im Rollstuhl fortbewegen kann, durch das Haus Hauptstraße 37. Ein Afrikaner war durch das offene Küchenfenster in die im Parterre gelegene Wohnung eingestiegen. Anschließend warf er die völlig hilflose Frau im Vorzimmer auf den Boden, entkleidete sie und wollte offensichtlich einen Geschlechtsverkehr vollziehen." Auch eine Personenbeschreibung hat der Redakteur parat: "Ein Neger, ca. 25-35 Jahre alt, ca. 170-180 cm groß, schlank, eher schmale Lippen, kein Bart und keine besonderen Merkmale."
Beschwerde wegen Rassismus
Wlasak wandte sich per Email an die Obersteirischen Nachrichten, um gegen den Gebrauch des rassistischen Ausdruckes "Neger" zu protestieren: "Auch wenn es sich bei dem Vorfall um ein schlimmes Verbrechen handelt, kann man sich als Leser dennoch eine objektive, sachliche und politisch korrekte Beschreibung des Ereignisses erwarten", so die Studentin in ihrer Beschwerde. "Des weiteren frage ich mich, ob Sie österreichische Straftäter auch als bleichgesichtig mit typisch schmalen Lippen bezeichnen?"
Die Obersteirischen Nachrichten waren um eine Reaktion nicht verlegen, und veröffentlichten in ihrer Ausgabe vom 28. Juli ungefragt das Beschwerdemail samt einer rüden Antwort:
"Sehr geehrte Frau Wlasak!
Lieber Gutmensch!
Sie tun mir echt Leid, da sie als Kind wahrscheinlich schwer krank waren und daher längere Zeit in der Schule gefehlt haben dürfen. Ein Neger (abgeleitet von der wissenschaftlichen Apostophierung 'negrid' oder 'negroid') ist nicht eine rassistisch minderwertige Bezeichnung eines Menschen schwarzer Hautfarbe. Sie dürften aus Unwissenheit Nigger mit Neger verwechseln. Aber machen sie sich nichts daraus, denn nobody is perfect. Ein Neger (dabei kann es sich um einen Afrikaner oder aber auch Amerikaner handeln, keinesfalls aber um einen Eskimo! Pardon, um nicht wieder unkorrekt u sein, natürlich Inuit), ca. 180 cm groß, schlank mit schmalen Lippen, so heißt es eben in der Fahndungsbeschreibung der Polizei.
Und überhaupt zwängt sich in mir der fürchterliche Verdacht auf, dass sie als Gutmensch dem Täter, einem Neger eben (oder einigen wir uns auf Mohr), mehr Sympathie entgegenbringen, als jener querschnittgelähmten Frau, welche 'ihr smoothly' Afrikaner zu vergewaltigen versucht hat.
Liebe Frau Wlasak! Sollten sie weiter Löcher in ihrem offensichtlich zartem Allgemeinwissen zu stopfen haben, scheuen sie sich nicht und schreiben mir, einem schmallippigen und bleichgesichtigen Reporter!"
Presseförderung
Beim Dokumentationsarchiv gibt man an, die "Obersteirischen Nachrichten" schon seit längerer Zeit zu beobachten. Vor allem in einer Kolumne namens "Kropfjodler" seien immer wieder antisemitische, sexistische und rassistische Anspielungen aufgetaucht.
Besonders pikant daran: Laut Kommunikationsbehörde Austria lukrierte das Wochenblatt im Jahr 2005 9.700 Euro an Presseförderung. Ob die Förderung auch 2006 wieder zuerkannt wird, ist noch nicht entschieden. (az)