Auch Dänen mit Problemen - 30 Prozent Schweden in Medizin

20. Oktober 2006, 10:11
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An einzelnen Unis bis zu 42 Prozent - Dänischer Wissenschaftsminister will auf EU-Ebene Lösung suchen

Brüssel - Nach Österreich und Belgien meldet nun auch Dänemark Probleme mit dem freien Zugang für EU-Bürger zu den eigenen Universitäten. Der dänische Wissenschaftsminister Helge Sander will auf EU-Ebene nach einer Lösung suchen, nachdem dieses Jahr bereits durchschnittlich 30 Prozent der Medizinstudenten an dänischen Universitäten aus Schweden kommen, an einer Universität sind es sogar 42 Prozent. Eine Änderung der Zugangsbestimmungen hat den Trend zuletzt noch vergrößert.

Gleiche Schwierigkeiten

"Belgien, Luxemburg und Österreich haben die gleichen Schwierigkeiten, also werden wir nachsehen, wie viele insgesamt dieses Problem haben und es dann ansprechen", kündigte Sander in einem Interview mit der dänischen Tageszeitung "Politiken" an. Er habe ein Treffen mit seinem schwedischen Kollegen gehabt und das Thema auch vor dem Nordischen Rat angesprochen. Aber niemand habe Schweden überzeugen können, dass es mehr Studienplätze braucht.

Thema für EU

Ein Sprecher des schwedischen Bildungsministers Leif Pagrotsky unterstützte gegenüber der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau die Idee, die EU damit zu befassen. Es sei verständlich, dass die dänische Regierung hier ein Problem sieht. Man sei auch bereit, das Thema erneut zu diskutieren. Aber Sander müsse das Thema auch auf EU-Ebene bringen. "Wenn Helge Sander und viele Dänen das als Problem sehen, dann muss natürlich diskutiert werden, ob möglicherweise mit den Verträgen etwas falsch läuft", so der Sprecher.

Schwedische, norwegische und dänische Studenten können auf Grund der Ähnlichkeit der Sprache relativ problemlos im jeweiligen Nachbarland studieren. In Schweden stehen allerdings nur 400 Studienplätze für Medizin zur Verfügung verglichen mit 1.200 in Dänemark. Rund 1.400 Schweden weichen daher pro Jahr ins Ausland aus, viele davon nach Dänemark. Das Problem: 80 Prozent der schwedischen Studenten in Kopenhagen & Co wollen laut einer Umfrage wieder nach Hause zurück. Gleichzeitig fehlten in Dänemark im vergangenen Juni bereits rund 3.000 Ärzte.

Quoten in Norwegen

Mit dem Nicht-EU-Mitglied Norwegen wurde das Problem durch Quoten gelöst, mit dem EU-Land Schweden sei das aber nicht möglich, heißt es in "Politiken". Österreich und Belgien haben nach der Aufhebung ihrer jeweiligen Beschränkungen durch den Europäischen Gerichtshof mittlerweile zwar Quotenregelungen für Medizin bzw. Veterinärmedizin eingeführt, allerdings steht die Meinung der EU-Kommission noch aus, wie weit dies mit EU-Recht vereinbar ist. (APA)

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