Zukunft von MTV ist digital

31. Juli 2006, 19:16
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Programmchef Giglinger will in Deutschland "auf alle Plattformen" und "junge Seher"

Was wünscht der Programmchef seinem Sender zum 25. Geburtstag? "Junge Seher", sagt Elmar Giglinger vom Deutschland-Ableger MTV Central. Dass die nicht ausschließlich mit Videos und Datingshows zu halten sein werden, ist dem 41-Jährigen aber auch klar. "Als man vor zehn oder 15 Jahren einen Musikclip sehen wollte, dann ging das nur über MTV im Fernsehen. "Die Zeiten der Programmhoheit sind seit Längerem vorbei, holen sich die Kids doch heute recht unbekümmert die Videos ihrer Lieblinge von den zahlreichen Internetplattformen.

"In 25 Jahren werden die Möglichkeiten sogar noch viel größer sein", glaubt Giglinger. Deshalb baue MTV schon vor, um am großen Kuchen der Digitalisierung mitnaschen zu können. In Großbritannien sei man bereits mit 23 Kanälen vertreten. Für Handy- und Internet-Fernsehen würden eigene Programme produziert.

"Auf allen Plattformen"

In ähnlichen Dimensionen denkt Giglinger auch für Deutschland: "Wir müssen auf allen Plattformen entsprechend präsent sein."20 Kanäle, die teilweise maßgeschneidert auf Zielgruppen wie Hardrock- oder Independent-Fans zugeschnitten sind, hält er in den nächsten Jahren für realistisch. Bis zu sechs digitale Kanäle können Zuseher im deutschen Sprachraum teils über TV, teils über Handy schon jetzt empfangen.

Die Apple-Idee mit iTunes hätte man gerne gehabt, gesteht Giglinger neidlos ein: "Was Apple gemacht hat, ist schlicht großartig."Den Markt will man aber nicht kampflos aufgeben. In den USA startet MTV noch heuer mit Microsoft den Musikshop "Urge".


Ungeklärt bleibt das Problem des Video-Downloads. "Eine andere Frage", schränkt Giglinger ein. Grund für die Zurückhaltung ist die Rechtesituation, die es MTV schlicht und einfach nicht erlaubt, Videos im Internet zum Download anzubieten. Die einschlägigen Internetplattformen kümmern sich darob relativ wenig und bescheren ihren Nutzern ein großteils illegales Vergnügen.

Die Schwierigkeiten der CD-Industrie kann Giglinger ebenfalls nicht wegleugnen. Dass Produzenten immer weniger in Videos investieren, sei Faktum. "In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die illegalen Downloads eine Größenordnung angenommen, die zu massiven Umsatzeinbrüchen in der Musikindustrie geführt haben. Das merkt man auch am Budget von Musikclips", erklärt er. Dennoch: "Das Interesse am Musikvideo ist größer denn je", glaubt Giglinger. Ob damit wie in guten alten Zeiten gleichzeitig MTV gemeint ist, gilt abzuwarten. (Doris Priesching; DER STANDARD; Printausgabe, 1.8.2006)

  • Elmar Giglinger, Programmchef von MTV Central
    foto: mtv

    Elmar Giglinger, Programmchef von MTV Central

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