USA verurteilen "feigen Angriff" auf Draskovic

17. Juni 2000, 10:07

Serbischer Oppositionsführer macht Milosevic verantwortlich

Washington/Podgorica - Die USA haben den Anschlag auf den serbischen Oppositionsführer Vuk Draskovic scharf verurteilt und die jugoslawische Regierung indirekt für den Vorfall verantwortlich gemacht. Es handle sich um einen "sehr feigen Angriff", der das Klima der Gewalt und Gesetzlosigkeit unter der Herrschaft des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic deutlich mache, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, am Freitag. Zwar wollten die USA die Belgrader Regierung nicht direkt für den Anschlag verantwortlich machen. Man nähme aber die Aussagen Draskovics und der montenegrinischen Polizei zu den mutmaßlichen Hintergründen sehr ernst, betonte Boucher.

"Riesige Konspiration"

Montenegros Innenminister Vukasin Maras hatte das Attentat als Ergebnis einer "riesigen Konspiration" bezeichnet, die von Belgrad nach Montenegro getragen worden sei. Draskovic machte die jugoslawische Führung für den Anschlag verantwortlich, bei dem er in der Nacht auf Freitag im montenegrinischen Badeort Budva leicht verletzt worden war. Die montenegrinische Polizei nahm mittlerweile die mutmaßlichen Täter und ihre Hintermänner fest. Diese seien gezielt aus Serbien eingereist, um Draskovic zu töten. Die Namen der Festgenommenen und weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt gegeben.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Freitag mehrere Schüsse auf den Vorsitzenden der Serbischen Erneuerungsbewegung (SPO) abgefeuert und ihn dabei an Ohr und Schläfe verletzt. Der 53-jährige Draskovic war bereits im Oktober bei einem mutmaßlichen Anschlag verletzt worden, der offenbar als Verkehrsunfall getarnt werden sollte. Damals hatte ein Lastwagen südlich von Belgrad aus unbekannter Ursache plötzlich die Spur gewechselt und war frontal auf den Wagen von Draskovic zugerast. Der Politiker überlebte den Unfall leicht verletzt. Die anderen vier Insassen des Fahrzeugs, sein Schwager und drei Leibwächter, starben.

Draskovic sagte nach dem Anschlag auf die Frage, ob er Milosevic die Schuld an der Tat gebe, dies sei sicher. Einige Tage vor dem Attentat habe er Informationen erhalten, dass seine Ermordung angeordnet worden sei. Die Festnahme seiner Leibwächter vor rund zwei Wochen habe den Weg dafür freimachen sollen. Auch Draskovics Frau Danica gab Milosevic die Schuld an dem Mordanschlag.

(APA/Reuters)

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