"Transparenz gehört angepasst"

31. August 2006, 19:25
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Mathias Bauer, Chef der Raiffeisen Capital Managment, fordert einheitliche Zulassungskriterien für Fonds

Wien – "Fonds schaffen für Anleger einen gleichen Zugang zu vielen Märkten", erklärt Mathias Bauer, Geschäftsführer der Raiffeisen Capital Management, im Gespräch mit dem STANDARD. Da ein Fonds oft mit bereits kleinen Beträgen von etwa 30 Euro gezeichnet werden kann, hätten Investmentfonds für das Finanzsystem eine wichtige Funktion, denn: "Für viele Anleger sind Fonds ein Vehikel, um in den Finanzmarkt einzusteigen". Im Unterschied zu anderen Finanzprodukten seien die Anleger bei Fonds Miteigentümer des Fondsvermögens. Das Geld gehe nicht in das Vermögen einer Gesellschaft über, sondern werde treuhändig verwaltet. Unternehmensanteile in Form von Aktien würden hingegen von vielen Österreichern nach wie vor als Spekulationspapiere angesehen und daher gemieden.

Der Anlegerschutz, mit dem Fonds ausgestattet sind und die Transparenzvorschriften (Beratung, Prospekte, laufende Perfomance-Berichte etc.) würden zusätzliches Vertrauen für die Produkte schaffen. "Vor allem die derzeit beliebten Garantieprodukte sorgen für einen Boom". "Seit Jänner hat der österreichische Fondsmarkt – trotz herber Rückschläge durch die Marktkorrektur im Mai – um 2,5 Prozent zugelegt", rechnet Bauer vor. Wird jedoch garantiert, dass am Ende der Laufzeit zumindest das einbezahlte Kapital ausgeschüttet wird, verursache dies auch Kosten. Diese Garantiekosten beziffert Bauer mit "ein bis 1,5 Prozent".

Gleiche Vorschriften

In der EU werden derzeit rund 30.000 Investmentfonds vertrieben, das in ihnen angelegte Vermögen beträgt rund 5000 Milliarden Euro. Ausländische Anbieter hättes es relativ leicht, ihre Produkte hier zu Lande anzubieten. "Umgekehrt ist dieser Prozess jedoch recht mühsam, weil verschiedene Zusatzbestimmungen eingehalten oder Übersetzungen in die jeweilige Landessprache vorgenommen werden müssen und dadurch Kosten entstehen. Die Prüfungs- und Zulassungsverfahren dauern ebenfalls oft lange." Daher zahle sich der Schritt in andere Märkte nur aus, "wenn dort auch viele Kunden gewonnen werden können".

Damit die Zulassung der Investmentfonds schneller von statten geht und für alle Anbieter die gleichen Chancen bietet, wünscht sich Bauer – in seiner Funktion als Vizepräsident des europäischen Fondsverbandes EFAMA (European Fund and Asset Management Association) – "einheitliche EU-Richtlinien, die für alle Anbieter gleich sind". Die Praxis der vielen zusätzlichen Vorschriften, "mit denen die einzelnen Nationen versuchen, ihren Heimatmarkt zu schützen", müsse aufhören.

Performance-Verlust

Dadurch könnte auch ein Manko behoben werden, dass eine Expertengruppe der EU kürzlich erhoben hat: Verglichen mit den USA dauere es in der EU oft viel zu lange, bis Fonds am Markt sind. Oft wären aber gerade Fonds, die einen neuen Trend folgen und zuerst am Markt wären, die Performance-Gewinner.

Auch eine Angleichung der Transparenzvorschriften steht auf dem Wunschzettel von Bauer. Denn es könne nicht sein, dass man der Fondsindustrie eine sehr hohe Transparenz abverlange und für Lebensversicherungen, Hedgefonds oder Immobilienfonds andere Vorschriften gelten. Ebenfalls "wünschenswert" sei eine steuerliche Harmonisierung. Im Moment seien fondsgebundene Lebensversicherungen steuerlich besser gestellt als Investmentfonds, was laut Bauer "nicht vertretbar ist". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.8.2006)

  • Der heimische Fondsmarkt wächst. Trotz der Marktkorrekturen im Mai liegt die Branche seit Jahresbeginn im Plus. Beliebt sind vor allem Garantieprodukte. Welche Veränderungen helfen würden, erklärt Raiffeisen-Capital-Management-Chef Mathias Bauer.
    foto: standard/andy urban

    Der heimische Fondsmarkt wächst. Trotz der Marktkorrekturen im Mai liegt die Branche seit Jahresbeginn im Plus. Beliebt sind vor allem Garantieprodukte. Welche Veränderungen helfen würden, erklärt Raiffeisen-Capital-Management-Chef Mathias Bauer.

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