Irakischer Vize-Präsident wirft Israel "Massaker" im Libanon vor

31. Juli 2006, 17:33
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Schiitenführer kritisiert mangelnde Solidarität mit Libanon in arabischer Welt

Bagdad - Der von den USA gestützte Vize-Präsident des Irak, Adel Abdul Mahdi, hat schwere Kritik an der israelischen Offensive im Libanon geübt. "Diese hässlichen von Israel verübten Massaker wecken bei uns den Geist der Brüderlichkeit, der Solidarität", sagte Abdul Mahdi am Montag bei einer öffentlichen Gedenkfeier für einen 2003 getöteten Schiiten-Führer. Der Vorwurf der Massaker war die bisher schärfste Kritik der Regierung in Bagdad an den Angriffen Israels.

Seit knapp drei Wochen geht Israel massiv gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon vor, nachdem die radikal-islamische Gruppe zwei israelische Soldaten entführt hatte. Am Samstag starben bei einem israelischen Luftangriff auf das Dorf Kana im Libanon nach libanesischen Angaben rund 60 Zivilisten, darunter 37 Kinder.

Sofortiges Ende der Kämpfe gefordert

Der Schiite Mahdi forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Vergangene Woche hatte bereits der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki, ebenfalls ein Schiite, Israel verurteilt. Bei einer anschließenden Reise nach Washington wurde Maliki dafür von US-Abgeordneten scharf kritisiert.

Unterdessen warf der irakische Schiiten-Führer Moqtada al-Sadr den arabischen Staaten mangelnde Solidarität mit dem Libanon vor. Der radikale Prediger sagte am Montag vor Journalisten, der Irak habe dieselben Erfahrungen gemacht. "Wir sind daran gewöhnt, von ihnen enttäuscht zu werden", sagte Sadr. "Sie blieben auch beim Irak einfach stumm oder mischten sich auf negative Weise ein." Im Libanon passiere nun dasselbe. "Sie reden, aber sie reden nur Unsinn." Sadr gehört zu der im Irak regierenden Schiiten-Allianz, kommandiert aber auch eine starke Miliz. (APA/Reuters)

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