Hintergrund: Internationale Libanon-Truppe nimmt langsam Gestalt an

31. Juli 2006, 17:15
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Offenbar mehrere europäische Staaten grundsätzlich bereit, Soldaten zu stellen

London - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat am Montag die Hoffnung geäußert, noch in dieser Woche könne für den Libanon ein Waffenstillstand und die Stationierung einer Eingreiftruppe ausgehandelt werden. Im Folgenden einige Fakten zu der geplanten Einheit:

  • Es wird mit einer 10.000 bis 20.000 Mann starken Truppe gerechnet, die die Lage nach den anhaltenden Kämpfen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah stabilisieren soll. In der israelischen Regierung wird davon ausgegangen, dass die Soldaten schrittweise stationiert werden, möglicherweise ein bis zwei Wochen nach einer entsprechenden Entscheidung des UNO-Sicherheitsrates.

  • Die Stabilisierungs-Truppe könnte zusammen mit der libanesischen Armee in einer Pufferzone im südlichen Libanon eingesetzt werden, um die Hisbollah von der Grenze zu Israel fern zu halten.

  • Das Mandat einer Libanon-Truppe blieb zunächst noch unklar. Außenministerin Rice sagte, die Truppe solle "die libanesische Armee bei der Friedenserhaltung unterstützen".

  • Die USA und Israel wollen zudem, dass die geplante Truppe auch Grenzübergänge zwischen Syrien und dem Libanon sowie die wichtigsten Häfen überwacht. So soll die Lieferung neuer Waffen - vor allem von Raketen - an die Hisbollah verhindert werden.

  • Frankreich hat sich als mögliche Führungsnation einer multinationalen Truppe herauskristallisiert und könnte binnen kürzester Zeit tausende Soldaten in Marsch setzen.

  • Auch mehrere andere Länder Europas könnten sich beteiligen: Schweden und Norwegen zogen einen Einsatz öffentlich in Erwägung, machten diesen aber noch vom genauen Mandat der Truppe abhängig. Auch Italien und Griechenland haben die Bereitschaft geäußert, Soldaten zu stellen.

  • Es wird erwartet, dass auch die Türkei und Ägypten eine Rolle spielen werden. Sie könnten beispielsweise die Grenze zwischen Syrien und dem Libanon überwachen.

  • Israel will seine Offensive nicht beenden, bevor die Truppen eingetroffen sind. Frankreich will dagegen einen Waffenstillstand und eine politische Einigung, bevor die Truppen stationiert werden.

  • Unter westlichen Diplomaten und Mitgliedern der israelischen Regierung geht man davon aus, dass das Truppen-Mandat nicht die Entwaffnung der Hisbollah vorsieht. Dies könnte eine Einigung über die Truppen-Stationierung erleichtern. Dafür solle die internationale Truppe vielmehr die libanesische Armee stärken, die dann ihrerseits schließlich die Entwaffnung der Hisbollah vorantreibt. Eine entsprechende Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen existiert bereits.

  • Die Hisbollah-Miliz hat öffentlich bisher noch nicht angekündigt, die Stationierung der internationalen Truppe verhindern zu wollen. Die Hisbollah hat aber betont, sie werde keine in ihren Augen demütigende Lösung akzeptieren. (APA/Reuters)
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