Der Winzer als Humorist

29. August 2006, 16:58
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Franz Proidl erzeugt in Senftenberg im hinteren Kremstal Rieslinge und Grüne Veltliner mit Tiefgang und ausgeprägten mineralischen Noten

In seinen Weingärten muss man teilweise „sprengen, wenn man dort graben will“.

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Franz Proidl ist ein heiterer Mensch, der mit humoriger Distanz zum Beispiel auch die Tatsache zur Kenntnis nimmt, dass er zwar von jenen aufs Tiefste verehrt wird, die ihn und seine Weine entdecken konnten, aber auf der anderen Seite noch immer den „Geheimtipps“ und „Unbekannten“ zugerechnet wird. Denn die Proidl’schen Veltliner und Rieslinge zählen nicht gerade zu jenen Weinen, die mit intensiver Primärfruchtigkeit und plakativen Aromen im frühesten Stadium auffallen, sind also meistens in Zeiten, in denen die Verkoster unterwegs sind, um für diverse Guides über aktuelle Jahrgänge zu urteilen, so zurückhaltend, dass man schon viel Zeit einplanen sollte, um den Weinen auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Er sieht’s gelassen: „Ich weiß, dass das kein Bewertungswein ist“, sagt er zum Beispiel über seinen Riesling Ehrenfels bei einer Verkostung im Mai dieses Jahres, der sich steinig-mineralisch und sehr scheu zeigt, was nichts an der dichten Struktur, der Tiefe und der Gesamtqualität des Weines ändert.

Steilterrassen

Seit 1738 wird am Proidlschen Hof Weinbau betrieben, was ihm, so Proidl auf seiner Homepage, vor allem „die Sicherheit gibt, nicht jede Entwicklung mitmachen zu müssen“. Franz Proidl bewirtschaftet mit seiner Familie insgesamt 15,5 Hektar und hat sich dabei vor allem auf die schwierig zu bearbeitenden Steilterrassen im Kremstal rund um Senftenberg konzentriert, wo das Klima nach seiner Beschreibung „bei weitem ungleichmäßiger und die Nächte sicher kälter sind“ als in der Wachau. Rund zehn Hektar seiner Flächen liegen rund um die Ruine Ehrenfels, die man von Krems kommend passiert, wenn man zum Weingut mitten im Ort möchte.

Seit 1985 hat Proidl hat rund um die Ruine Böden rekultiviert, darunter auch Steilterrassen, die 100 Jahre brach gelegen sind. „Denn die bringen eine andere Qualität als Weine von ausgemergelten Böden, die ständig bewachsen waren“, erklärt er. Seit 1992 werde bewässert. Auf kleinbeerige Klone bei seinen Rebstöcken legt Proidl, der früher selbst eine Rebschule betrieben hatte, speziellen Wert. Denn wie bereits Proidls Vater immer wieder feststellte, seien „Kleinriesler“ (Anm. Riesling mit kleinen Beeren) das, was man im Weingarten haben müsse, um wirklich gute Qualität zu bekommen.

Kellerarbeit

Im Keller arbeitet er viel „mit eigenen Hefen“, gesteht aber auch ein, dass „nicht alles geht“. Enzyme kämen nicht zum Einsatz, so Proidl. Sein Keller ist sehr kalt - „er steht im Grundwasser“ – was ein Hindernis zum Gärungsbeginn sein kann und was auch der Grund dafür ist, dass die Gärung bei ihm auch meist deutlich länger dauert als der Durchschnitt. Seine Weine bleiben grundsätzlich auch „so lange wie möglich“ auf der Hefe und würden daher „eher später trinkreif“. Bei einigen Weinen, wie dem Riesling und dem Grünen Veltliner Ehrenfels gebe es daher auch immer eine Herbstfüllung.

Botrytis (Edelfäule) bei Rieslingen, „sehe ich nicht tragisch, sofern es die richtige ist“, so Proidl. Ob die von der Edelfäule befallenen Beeren mitverarbeitet oder selektioniert werden, ist ein Thema, das auch in der benachbarten Wachau immer wieder für Stildebatten gut ist: Botrytis gibt den Weinen süßliche, an Rosinen erinnernde Noten, die je nach stilistischen Vorlieben erwünscht sind, akzeptiert, oder auch abgelehnt werden.

Pfeffer aller Arten

Die rein numerischen Säure- und Restzuckerwerte einiger Weine lassen einem die Haare zu Berge stehen. Und es sind dennoch bloß Zahlen, vor allem wenn sich die Weine dann beim Probieren als hervorragend balanciert, dicht und lang erweisen. Den Jahrgang 2005 bezeichnet Proidl selbst „trotz des vielen Regens, der aber auf meinen Böden sofort abrinnt“ als „groß“. Auch wenn Proidl selbst „keinen großen Vorteil in älteren Rebstöcken“ sieht, macht er mit dem Grünen Veltliner „Pelling Alte Reben“ 2005 aus 35 bis 50 Jahre alten Stöcken einen kräftigen, sehr komplexen Wein, bei dem sich veltliner-typische Würze nach schwarzem Pfeffer, Kräuternoten à la Liebstöckl und feine Fruchtaromen dicht zusammenfügen. Der Veltliner Ehrenfels 2005 ist weißpfeffrig zum Quadrat, erinnert an reife Honigmelonen und weiße Pfirsiche und hat eine sehr pronocierte Säure, was dem Wein in all seiner Kompaktheit hervorragend steht. Grüner Veltliner Reserve 2003 wurde im Auslese-Bereich gelesen (21 ° KMW), zeigt einen sehr traditionellen, eher „dunklen“ Geschmacksstil und erinnert an eine altmodische fleischige Rindsuppe mit prächtigen Fettaugen und Gewürzaromen wie Pfeffer und Senfkörner, ein Extremisten-Veltliner, der köstlich gegen die Jahrgangsnorm schmeckt.

Tour de Terroir

Die drei 2005-er Rieslinge Hochäcker, der halbtrocken geraten ist, Pfennigberg und Ehrenfels sind in einer Reihe getrunken – egal in welche Richtung, am besten in beide - eine geschmackliche Tour de Terroir. Ehrenfels steht am steinigsten aller Weingärten und schmeckt auch so, die Lagen Pfenningberg mit Reben zwischen sechs und 50 Jahren und Hochäcker schließen sich flussabwärts an – „je weiter man im Tal nach vor kommt, desto höher sind die Lössanteile“ - was auch die geschmackliche Stilistik verändert. Hochäcker ist vielleicht der am raschesten zugängliche Wein, mit dem Proidl auch kürzlich beim „best of riesling“-Wettbewerb in Rheinland Pfalz als bester nicht-deutscher Riesling ausgezeichnet wurde und sich in der Klasse halbtrocken mit einem dritten Platz inmitten der zahlenmäßig dominierenden und in diesem Stilbereich sehr firmen deutschen Konkurrenz behaupten konnte. (Luzia Schrampf)

Weingut Proidl
Oberer Markt 5
3541 Senftenberg
Tel. 02718/ 24 58
www.proidl.com
  • Franz Proidl im Weingarten vor der Ruine Senftenberg.
    foto: proidl

    Franz Proidl im Weingarten vor der Ruine Senftenberg.

  • Die malerischen Terrassen der Weingärten von Franz Proidl.
    foto: www.proidl.com

    Die malerischen Terrassen der Weingärten von Franz Proidl.

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