EU lobt überwiegend friedlichen Ablauf der Wahlen

31. Juli 2006, 18:00
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Michel rief Bevölkerung auf, "Frieden zu wahren"

Brüssel - Die Europäische Union (EU) hat den überwiegend friedlichen Ablauf der ersten Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo seit dem Abzug der belgischen Kolonialmacht vor mehr als 40 Jahren begrüßt. "Wir stellen mit Freude fest, dass die Wahlen im ganzen Land ohne großer Zwischenfälle stattgefunden haben", erklärte Entwicklungshilfekommissar Louis Michel am Montag.

Zugleich rief er alle Parteien dazu auf, auch nach der Abstimmung vom Sonntag den Frieden zu wahren. Die Menschen sollten ihre friedliche Teilnahme an diesem Prozess "im Geiste der Versöhnung und des Respekts für die Demokratie" fortführen, sagte der belgische EU-Kommissar.

Schlampereien

Bereits am Sonntag hatten internationale Beobachter den friedlichen Ablauf der Präsidenten- und Parlamentswahl und die hohe Wahlbeteiligung gelobt. Er sei insgesamt sehr zufrieden, sagte der deutsche EU-Wahlbeobachter Ulrich Stockmann in einer ersten Bilanz. Es habe ein paar Schlampereien gegeben, jedoch nichts, was auf eine bewusste Fälschung hindeute. Schwierige Zeiten kämen jedoch noch auf das Land zu, wenn die Ergebnisse vorliegen. Dies wird frühestens Ende August erwartet.

Auch von UNO-Beobachtern hieß es, die Abstimmung sei generell geordnet und friedlich abgelaufen. Zu gewaltsamen Zwischenfällen kam es nur vereinzelt. So zerstörten Jugendliche in den südlichen Provinzen West- und Ostkasai nach der Wahl einige Wahllokale. Die Provinzen gelten als Hochburgen einer Oppositionspartei, die die Wahlen boykottierte. In der südöstlichen Stadt Lubumbashi protestierten Studenten, weil sie nicht für die Wahl registriert worden waren.

Als Favorit auf die Präsidentschaft gilt Amtsinhaber Joseph Kabila. Sollte kein Kandidat über 50 Prozent der Stimmen erreichen, wird es voraussichtlich Ende Oktober zu einer Stichwahl kommen.

Das zentralafrikanische Land ist etwa so groß wie Westeuropa. Die Wahlen wurden von mehr als 17.000 Friedenssoldaten der Vereinten Nationen überwacht. Die Europäische Union schickte zusätzlich rund 2000 Soldaten, darunter 780 aus Deutschland. Die Abstimmung sollte einen Schlussstrich ziehen unter den jahrelangen Bürgerkrieg, dem bis 2003 vier Millionen Menschen zum Opfer fielen. (APA/Reuters)

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