AOL startet Videoportal

31. Juli 2006, 14:50
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Videoangebot ist Eckpfeiler in AOLs neuem Geschäftsmodell

Der Internetanbieter AOL startet im Zuge der Umstrukturierungen seines Geschäftsmodells ein Videoportal. Eine Testversion des Internetvideoportals soll laut Wall Street Journal noch Ende dieser Woche online gehen. Der Inhalt des Videoportals soll sowohl aus Fernsehprogrammen verschiedener Kabelnetzbetreiber wie etwa MTV und Nickelodeon als auch aus Amateurvideos der Nutzer bestehen. Die Testversion des vorerst nur in den USA nutzbaren Angebots werde 45 Video-on-Demand-Kanäle umfassen. Ein Teil der Inhalte würden kostenpflichtig sein.

Planung

Die Einführung des Videoportals hatte AOL eigentlich schon für dieses Frühjahr geplant. Weitere Details zum Video-Portal wird AOL am Mittwoch gemeinsam mit den Quartalsergebnissen präsentieren. AOLs Management betrachtet das Online-Video-Geschäft als einen Eckpfeiler seiner neuen Businessstrategie und startete bereits im März dieses Jahres die Testversion seines TV-Service In2TV. Der TV-Service, mit dem User TV-Serien kostenlos in voller Länge ansehen können, habe laut AOL im April dieses Jahres 1,8 Mio. unique visitors verzeichnet. Erst Anfang dieses Monats kündigte der US-amerikanische Internetanbieter die Abschaffung des Abo-Modells an und will sein kostenfreies Internetangebot in Zukunft über Werbung finanzieren.

Suche

Der neue Service soll neben den Videoinhalten auch eine Videosuchfunktion anbieten, die den User zu anderen Videoportalen im Internet verlinkt. AOLs Ankündigung eines Videoportals ist die jüngste in einer Reihe von Internetanbietern, die in diesen Bereich vorpreschen. Neben den großen Playern im Internetgeschäft, wie Microsoft, Google und Yahoo, wetteifert auch YouTube um die Marktführerschaft bei Online-Videos. Auch die Skype- und Kazaa-Erfinder Niklas Zennstrom und Janus Friis arbeiten derzeit an einem Internet-TV-Projekt.

Deutschland

Auch in Deutschland sind bereits einige Unternehmen im Geschäft. Die Online-Version des Nachrichtenmagazins Focus erweitert ihr vorhandenes Videoangebot mit selbst produzierten Serien, wie die Tomorrow Focus AG am Montag angekündigt hat. Das Angebot wird sich über Werbung finanzieren. "Der Internet-Videomarkt boomt. In den USA sollen die Werbeausgaben in diesem Jahr von 385 Mio. Dollar auf 640 Mio. Dollar in 2007 wachsen, was satten 66 Prozent entspricht", sagt Christoph Schuh, Marketing- und Vertriebsvorstand der Tomorrow Focus AG.

Boom

Medienforscher bestätigen, dass der Boom auch auf den europäischen Markt überschwappen könnte. "Wenn der Preis stimmt, hat das Online-Video-Angebot die Chance zum Massenmarkt zu werden", glaubt etwa Hardy Dreier, wissenschaftlicher Referent am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. Eine große Rolle spiele hier der Wettlauf zwischen den Kabelnetzbetreibern und der Deutschen Telekom, der die Versorgung der Haushalte mit schnellen Internetzugängen vorantreibe, so Dreier im Gespräch mit pressetext. (pte)

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    In2TV: Das TV-Service von AOL soll ein Videoportal zur Seite gestellt bekommen

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