Fehlende Kinderbetreuung in den Ferien

31. Juli 2006, 20:27
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SPÖ: Durchschnittlich 37 Schließtage pro Jahr belasten berufstätige Eltern - Stadlbauer wirft Regierung "unerträgliche Arroganz" vor

Wien - Mangelnde Betreuung in den Ferien, zu wenig Personal und verschlossene Türen ab dem frühen Nachmittag: Die SPÖ fordert eine Verbesserung der Kinderbetreuung, nicht ohne die Regierung zu kritisieren. Man habe zwar beim Schulorganisationsgesetz mitgestimmt, "bei der Umsetzung fehlt aber der politische Wille", meinte SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer bei einer Pressekonferenz am Montag.

34 Tage ohne Kinderbetreuung

Besonders die vielen Schließtage in den Ferien machen Stadlbauer zu schaffen. So stünden berufstätige Eltern in Österreich durchschnittlich 34 Tage im Jahr vor der Frage: Wohin mit den Kindern? Nur Wien schneide mit fünf Tagen in der Statistik positiv ab, Negativbeispiele seien Tirol und Vorarlberg mit 32 bzw. 38 Tagen. Platz drei belegt Niederösterreich mit 27 Schließtagen.

Bei den Öffnungszeiten sehe es, so Stadlbauer, ähnlich aus: Auch hier sei Wien positives Ausnahme, 90 Prozent der Krippen und Horte sowie 80 Prozent der Kindergärten hätten zumindest bis 17.00 Uhr geöffnet. In Tirol sei nur bei 59 Prozent solcher Einrichtungen Betreuung bis lediglich 14.00 Uhr vorgesehen. Für Stadlbauer müsse durchgängige Betreuung garantiert sein, "in den AHS könnten das etwa arbeitslose Junglehrer übernehmen".

Gestaffelter Urlaub

Zur Unterstützung hatte sich Stadlbauer zwei Mütter geholt, die ihre Notlage schilderten. Für die Oberösterreicherin Manuela Himmelsbach stelle sich nach der Karenz etwa die Frage: "Ich möchte arbeiten, aber wohin mit meinen Kindern?" Almut Zillner geht es da kaum besser, die Familienmitglieder müssten auf Grund der Schließzeiten gestaffelt Urlaub nehmen um die Betreuung des Nachwuchses zu gewährleisten.

100.000 zusätzliche Plätze

Der Regierung warf Stadlbauer "Das geht uns nichts an-Taktik", "unerträgliche Arroganz" und Unbekümmertheit vor - um gleichzeitig SPÖ-Maßnahmen im Falle einer Regierungsbeteiligung zu präsentieren. Ein flächendeckender Ausbau der Einrichtungen solle etwa 100.000 zusätzliche Betreuungsplätze schaffen. Für diese "Grundversorgung" sollte es außerdem einen Rechtsanspruch geben. Im Parlament liege bereits ein SPÖ-Antrag für ein Bundesrahmengesetz, das österreichweit für einheitliche Standards in der Kinderbetreuung sorgen soll. Stadlbauer: Das derzeitige "Schummelpaket" der Regierung sei einfach "zu kompliziert".

ÖVP: "Kinder bestens aufgehoben"

Die ÖVP kann die Kritik an mangelnder Kinderbetreuung von SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer nicht nachvollziehen. Familiensprecherin Ridi Steibl verteidigte am Montag via Aussendung die bisherige Arbeit der Regierung: "Die ÖVP tritt für Maßnahmen ein, die auf die Bedürfnisse der Kinder und Eltern abgestimmt sind." Ihr Fazit: "Kinder sind in der Familienpartei ÖVP bestens aufgehoben."

Steibl verwies unter anderem auf Maßnahmen wie die Erhöhung der Familienbeihilfe und den Anspruch auf Elternteilzeit. Für die Kinderbetreuung - "die eindeutig Ländersache ist" - habe die Bundesregierung in den vergangenen zwei Jahren jeweils rund 700.000 Euro in Projekte investiert. Auch bei der Tagesbetreuung hat es laut ÖVP deutliche Verbesserungen gegeben. (APA)

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