Alarmstufe Rot in Italien wegen massiver Immigrationswelle

Redaktion, 12. August 2006 21:35

Regierung verlangt Initiative von Europa: "Wir können nicht die notwendigen Hilfen garantieren" - Kritik von Opposition

Rom - In Italien herrscht Alarmstufe Rot wegen der anhaltenden Immigrationswelle auf Sizilien. Nachdem am Wochenende bei zwei Flüchtlingstragödien vor Italien und Malta vermutlich mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sind, verlangt Rom eine europäische Offensive gegen die Schieberbanden, die täglich Hunderte von Immigranten von Libyen nach Süditalien schleusen. "Die Lage ist durchaus schwierig. Wir können nicht die notwendigen Hilfen garantieren", betonte Innenminister Giuliano Amato nach Angaben italienischer Medien vom Montag.

Die italienische Regierung fordert eine Vorverlegung der europäischen Operation "Jason 1", die im Oktober beginnen soll. Demnach sollen sich Italien, Griechenland und Malta an einer gemeinsamen Patrouillenaktion in den Gewässern des Mittelmeers beteiligen, um die Schieberbanden zu stoppen, die zwischen Libyen und Südeuropa am Werk sind. Die Mission soll sich von Lampedusa über Malta bis zum südlichsten Mittelmeerraum erstrecken.

Das römische Innenministerium hofft auch, mit diplomatischen Mitteln Tripolis zu einer intensiveren Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der illegalen Flüchtlingsströme zu überreden. Amato plant in den kommenden Tagen ein Treffen zwischen Italien, Malta und Libyen als Vorbereitung einer Konferenz zwischen EU und der Afrikanischen Union, bei der das Thema Immigration im Vordergrund stehen soll.

Kein Ende

Die Flüchtlingswelle in Italien nimmt kein Ende. In den letzten zwei Wochen haben 2.000 illegale Immigranten die Küsten der süditalienischen Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien erreicht. Seit Jahresbeginn erreichten 9.500 Migranten die kleine Mittelmeerinsel, 2.000 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum 2005. Die meisten Flüchtlinge auf Lampedusa sind Marokkaner.

Mehrmals drohte das Aufnahmelager der Insel, das für maximal 190 Menschen errichtet wurde, zusammenzubrechen. "Die hygienische Lage ist schwierig, ein Großteil der Flüchtlinge muss so rasch wie möglich in den Aufnahmezentren in Sizilien untergebracht werden, wenn wir die Lage entlasten wollen", meinte der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno Siracusa. Er bangt auch um die Touristen. "Wir sind eine Ferieninsel, doch die Massenlandungen, die seit Jahren die Insel belasten, gefährden unser Image als Urlaubsparadies."

Der Flüchtlingsstrom sorgte auch in Rom für heftige Diskussionen. "Mit der Linken an der Regierung droht Italien zu einem Schlaraffenland für die Schieberbanden zu werden", sagte Roberto Castelli von der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord. (APA)

Wolfrider
03.08.2006 11:02

war vor kurzem nicht davon die Rede, dass die neue italienische Regierung die Immigration fördern will? haben sie sich jetzt doch eines besseren besonnen?

so nicht
31.07.2006 18:37

"Mit der Linken an der Regierung droht Italien zu einem Schlaraffenland für die Schieberbanden zu werden".
Das haben in Österreich die Rechten auch geschafft, im viel kleineren Österreich sind in diesem Jahr schon 7.000 Flüchtlinge angekommen (vemutlich über Boden- und Neusiedler See).
Welche Alarmstufe herrscht in Österreich?

Ivan Bukov
31.07.2006 19:07

Im Vergleich zu Italien ist die oesterreichische Fluechtlingsproblematik "a Lercherlschass". Unverstaendlich ist warum die EU da nicht agiert. Immerhin sind ja jetzt die Grenzen weg.

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