Regierung verlangt Initiative von Europa: "Wir können nicht die notwendigen Hilfen garantieren" - Kritik von Opposition
Rom - In Italien herrscht Alarmstufe Rot wegen der
anhaltenden Immigrationswelle auf Sizilien. Nachdem am Wochenende bei
zwei Flüchtlingstragödien vor Italien und Malta vermutlich mehr als
30 Menschen ums Leben gekommen sind, verlangt Rom eine europäische
Offensive gegen die Schieberbanden, die täglich Hunderte von
Immigranten von Libyen nach Süditalien schleusen. "Die Lage ist
durchaus schwierig. Wir können nicht die notwendigen Hilfen
garantieren", betonte Innenminister Giuliano Amato nach Angaben
italienischer Medien vom Montag.
Die italienische Regierung fordert eine Vorverlegung der
europäischen Operation "Jason 1", die im Oktober beginnen soll.
Demnach sollen sich Italien, Griechenland und Malta an einer
gemeinsamen Patrouillenaktion in den Gewässern des Mittelmeers
beteiligen, um die Schieberbanden zu stoppen, die zwischen Libyen und
Südeuropa am Werk sind. Die Mission soll sich von Lampedusa über
Malta bis zum südlichsten Mittelmeerraum erstrecken.
Das römische Innenministerium hofft auch, mit diplomatischen
Mitteln Tripolis zu einer intensiveren Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung der illegalen Flüchtlingsströme zu überreden. Amato plant
in den kommenden Tagen ein Treffen zwischen Italien, Malta und Libyen
als Vorbereitung einer Konferenz zwischen EU und der Afrikanischen
Union, bei der das Thema Immigration im Vordergrund stehen soll.
Kein Ende
Die Flüchtlingswelle in Italien nimmt kein Ende. In den letzten
zwei Wochen haben 2.000 illegale Immigranten die Küsten der
süditalienischen Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien
erreicht. Seit Jahresbeginn erreichten 9.500 Migranten die kleine
Mittelmeerinsel, 2.000 Menschen mehr als im Vergleichszeitraum 2005.
Die meisten Flüchtlinge auf Lampedusa sind Marokkaner.
Mehrmals drohte das Aufnahmelager der Insel, das für maximal 190
Menschen errichtet wurde, zusammenzubrechen. "Die hygienische Lage
ist schwierig, ein Großteil der Flüchtlinge muss so rasch wie möglich
in den Aufnahmezentren in Sizilien untergebracht werden, wenn wir die
Lage entlasten wollen", meinte der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno
Siracusa. Er bangt auch um die Touristen. "Wir sind eine Ferieninsel,
doch die Massenlandungen, die seit Jahren die Insel belasten,
gefährden unser Image als Urlaubsparadies."
Der Flüchtlingsstrom sorgte auch in Rom für heftige Diskussionen.
"Mit der Linken an der Regierung droht Italien zu einem
Schlaraffenland für die Schieberbanden zu werden", sagte Roberto
Castelli von der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord. (APA)