Oberösterreich: Landflucht gut ausgebildeter Frauen

31. Juli 2006, 12:10
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Je größer die geschlechtsspezifischen Unterschiede, desto weniger Frauen im erwerbsfähigen Alter bleiben - SP fordert Gegensteuerung

Linz - Mangelnde Gleichstellung am Arbeitsmarkt, Fraueneinkommen, die um 38 Prozent niedriger sind als jene der Männer und fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, vor allem in den ländlichen Gemeinden - wo es zum Beispiel auch kaum Sommerkindergärten für die Betreuung in den Ferien gibt - führen in Oberösterreich zu einer Art weiblicher Landflucht.

Ausgedünnt

So zeigt eine aktuelle WIFO-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer OÖ., dass gut qualifizierte Frauen aus Regionen mit großen Ungleichheiten (Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeit, Einkommen) am Arbeitsmarkt abwandern. So leben in Bezirken, wo es die größten geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt, wie zum Beispiel Freistadt oder Rohrbach, weniger Frauen im erwerbsfähigen Alter. Aufgrund ihrer familiären Verpflichtungen sind sie weniger mobil und können daher nicht so leicht in einkommensstärkere Bezirke (Zentralraum) pendeln, um den Einkommensnachteil wettzumachen. PendlerInnenbezirke wie Urfahr-Umgebung, Steyr-Land und Freistadt haben demnach auch geringere Frauenerwerbsquoten.

SPÖ fordert adäquate Jobs und faire Bezahlung

Die SPÖ kündigte angesicht der tristen Lage an, sich mit der Entwicklung für Frauen am Arbeitsmarkt und bei den Einkommen nicht abfinden zu wollen - und blies ins Horn: mit einer offensiven Politik wolle man für Frauen dafür sorgen, dass sich die Situation verbessert, so SP-Landesparteivorsitzender Erich Haider. Nur mit gleichen Bildungsmöglichkeiten, adäquaten Jobs und fairer Bezahlung könnten gleiche Chancen am Arbeitsmarkt gesichert werden und dafür müsse auch die Politik die richtigen Weichen stellen.

Eine IFES-Umfrage im Juni 2006 habe gezeigt, dass 88 Prozent der Befragten die eklatante Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen für nicht gerechtfertigt halten - ein klarer Handlungsauftrag für die Politik, den die ÖVP allerdings ignoriere, weil sie den Menschen noch immer ihr konservatives Rollenbild aufzwingen wolle, so Haider. Nachteile für Frauen am Arbeitsmarkt sowie fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten würden verharmlost oder schöngeredet. (red)

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    Qualifizierte Frauen aus Regionen mit großen Ungleichheiten wandern ab.
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