Dialog im Grenzgebiet

20. Juli 2007, 16:43
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Konzertqualität in der Felsenreitschule

Salzburg - Harfe, Celesta, Gitarre/Banjo und Akkordeon sitzen im "Grenzgebiet"zwischen zwei Klangkörpern und knüpfen zusammen mit der Soloklarinette feinste Beziehungen zwischen "verstimmten"Welten: Zwei Orchester sind angetreten, um Jörg Widmanns "Echo-Fragmente"zu präsentieren. Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg spielte auf 443 Hz, das Freiburger Barockorchester auf 430 Hz. Spannende mikrotonale Effekte ergaben sich allein dadurch, funkelnde Klangeffekte verstärken das Bild von Beziehungsfäden.

Dabei arbeitet Widmann keineswegs mit reinem "Schönklang". Das Soloinstrument, grandios gespielt von Widmann selbst, trat mit den Orchestern, mit einzelnen Instrumenten oder Instrumentengruppen, in spannende Dialoge.

Weniger geglückt war der Tanz von Adriana Hölszkys "Dämonen"für Chor und Orchester, einem der Auftragswerke der Festspiele: Der Chor des Bayerischen Rundfunks übertraf sich selbst in 48-stimmigen meist polyphonem Meckern und Pfeifen. Ein paar gesungene Töne waren auch zu hören, führten aber ebenso wenig zu Klangdichte wie die Einwürfe des Orchesters, die Sylvain Cambreling präzise positionierte. Einige Buhs für die Komponistin.

Ein dramaturgischer Wurf war der Beginn: Auf das Adagio aus dem Divertimento D-Dur KV 131, das das Freiburger Barockorchesters aus einer anderen Welt herüberholte, folgte, gespielt vom SWR Sinfonieorchester, Isabel Mundrys fragiles "Panorama Ciego"für Klavier und Orchester. Worauf die "Originaltöner"unter der Leitung von Gottfried von der Goltz mit einer hinreißend dynamischen Sinfonie g-Moll KV 183 antworteten. Insgesamt festspielwürdig. (Heidemarie Klabacher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7.2006)

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