Teheran bietet "Vermittlung" an

30. Juli 2006, 19:16
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Iran versucht offensichtlich, aus dem Krieg im Libanon Kapital zu schlagen

Teheran/Beirut/New York - Der Iran ist nach eigenen Angaben zur "Vermittlung"im Libanon-Konflikt bereit. Dies sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid Reza Assefi, am Sonntag in Teheran. "Der Iran ist sich seiner Verantwortung bewusst und bereit, eine Rolle in dieser Herausforderung zu spielen", sagte er. Der erste Schritt müsse aber Druck auf Israel sein, "damit das zionistische Regime seine Verbrechen stoppt".

Während der derzeitige Einfluss Syriens auf die Hisbollah im Südlibanon unter Nahostexperten strittig ist, gilt der Iran nach wie vor als die Schutzmacht der schiitischen Miliz.

Der iranische Sprecher dementierte jedoch erneut, dass der Iran Waffen an die Hisbollah-Miliz liefere. Die Hilfe sei nur "politisch und humanitär". Israel und den Vereinigten Staaten warf der Sprecher vor, das Kräfteverhältnis in der Region ändern zu wollen. Assefi brachte aber auch den Atomstreit seines Landes mit der internationalen Gemeinschaft ins Spiel. Die geplante Verabschiedung einer verschärften Resolution würde die "Krise in der Region verschlimmern", sagte der Außenamtssprecher. Der Sicherheitsrat hatte dem Iran ein Ultimatum bis zum 31. August gestellt, um die Urananreicherung auszusetzen.

Das geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, warf den USA vor, eine "Amerikanisierung"des Nahen Ostens angestrebt zu haben. Dies sei allerdings gescheitert. "Die Angriffe durch das zionistische Regime (Israel) waren ein von den USA vorbereiteter Plan, um die Zionisten in diesen Krieg hineinzuziehen, um das endgültige Ziel zu erreichen, und das ist die Amerikanisierung der Nahen Ostens."

Radikale Studenten

Einer Gruppe radikaler iranischer Studenten, die sich dem Kampf der Hisbollah-Miliz gegen Israel anschließen wollte, wurde nach eigenen Angaben die Ausreise verweigert. 200 Studenten hätten am Mittwoch Teheran mit dem Ziel Libanon verlassen, teilte die Gruppe am Wochenende in einem Fax an die Nachrichtenagentur Reuters mit. An der Grenze zur Türkei seien sie aber von iranischen Behördenvertretern gestoppt worden. Konservative im Iran haben in den vergangenen Jahren mit großem öffentlichen Aufwand von Rekrutierungen für "Märtyrer-Einsätze"berichtet. Es ist aber nicht bekannt, dass iranische Freiwillige an irgendwelchen Anschlägen im Irak oder in Israel auch tatsächlich beteiligt waren. (dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2006)

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