"Stolz, Kongolesen zu sein"

27. Oktober 2006, 11:16
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Bei den ersten freien Wahlen gab es großen Andrang - Die Lage blieb verhältnismäßig ruhig - Erste Ergebnisse soll es in drei Wochen geben

Kinshasa - In einem historischen Urnengang haben die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo am Sonntag ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten gewählt. Mehr als 25 Millionen Stimmberechtigte waren zu den ersten Wahlen in demzentralafrikanischen Land seit Erlangung der Unabhängigkeit vor vierzig Jahren aufgerufen.

Trotz gewaltsamer Ausschreitungen im Vorfeld strömten Millionen Kongolesen zu der Abstimmung, von der sie sich nach Jahren des Bürgerkriegs eine friedliche Zukunft erhofften. Die Wahl fand unter extremen Sicherheitsvorkehrungen und unter den Augen zehntausender in- und ausländischer Beobachter statt. Als Favorit für das Präsidentenamt galt der 35-jährige Amtsinhaber Joseph Kabila.

Kabila gab seine Stimme am Morgen in einem Wahllokal in einer ehemaligen Hochschule ab. "Dies ist der wichtigste Tag in der Geschichte unseres Landes", sagte er nach der Stimmabgabe. Jetzt sei es vorrangig, dass der Wiederaufbau des Landes beginne. Insgesamt bewarben sich 33 Kandidaten für das Präsidentenamt. Für die 500 Parlamentssitze traten fast zehntausend Kandidaten an. Die Wahlen sollen den im Jahr 2003 nach fast fünf Jahren Bürgerkrieg eingeleiteten politischen Übergangsprozess abschließen.

"Alles ruhig"

Am Sonntag kam es zu gewaltsamen Zwischenfällen. Sieben Wahlbüros seien in der Provinz Kasai in Brand gesetzt worden, sagte der Leiter der Wahlkommission Apollinaire Malu Malu in Kinshasa. "Insgesamt verlaufen die Wahlen gut", sagte Malu Malu. "Es ist alles ruhig, wir hoffen, dass es so bleibt", sagte EUFOR-Sprecher Peter Fuss.

Vielerorts bildeten sich bereits Stunden vor Öffnung der streng bewachten Wahllokale Warteschlangen. In einem Wahlkreis der Hauptstadt Kinshasa mussten sich die Menschen bei schlechten Lichtverhältnissen durch eine Kandidatenliste mit 840 Bewerbern arbeiten.

"Historischer Moment"

Viele Menschen gingen dennoch begeistert zur Wahl. "Das ist ein historischer Moment für uns, ich bin sehr bewegt", sagte die 46 Jahre alte Rose Muderwa mit Tränen in den Augen. "Es ist ein Wendepunkt, jetzt können wir wieder stolz sein, Kongolesen zu sein."

Die 50.000 Wahllokale wurden um 17 Uhr geschlossen. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl soll frühstens in drei Wochen bekannt sein; die Resultate der Parlamentswahl werden in den kommenden Wochen nach und nach in den Wahlkreisen veröffentlicht. 80.000 kongolesische Sicherheitskräfte, 17.600 UNO-Soldaten sowie eine 2000 Mann starke EU-Truppe (EUFOR) sollen die Wahlen schützen. Auch drei österreichische Offiziere sind im Einsatz. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2006)

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    Die Warteschlangen waren lang, die Wahlzettel handtuchgroß, die Lichtverhältnisse mitunter schlecht. Dennoch wählten die meisten KongolesInnen mit großer Begeisterung.

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