Pkw-Maut in Österreich günstig

22. August 2006, 16:27
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Bayern geht eigene Wege und beharrt auf der Einführung einer Autobahnvignette für Pkws ab 2008. Ein EU-Vergleich zeigt dabei: Österreichs Pkw-Maut ist (noch) günstig

München/Wien - Der Freistaat Bayern hält die Diskussion um die Einführung einer Pkw-Maut am Kochen. Ungeachtet der Proteste will der bayerische Innenminister Günther Beckstein bereits übernächstes Jahr Autobahngebühren kassieren. "Die Vignette kommt 2008", zitiert das Nachrichtenmagazin Focusden bayerischen Minister.

Autofahrer sollen demnach für die Benützung der Autobahnen jährlich mit 100 Euro zur Kasse gebeten werden. Mit der Vignette würden der bayerischen Staatskasse jährlich 4,9 Milliarden Euro zufließen. Im Gegenzug will Beckstein die Mineralölsteuer senken.

Den Einwand des deutschen Verkehrsministers Wolfgang Tiefensee, die Verwaltungskosten für die Vignette seien zu hoch, wies Beckstein zurück: "Wenn es sich nicht lohnen würde, würden es die Österreicher und Schweizer doch wohl auch nicht machen."

Spielraum für die Einführung von Autobahnbenützungsgebühren hat Deutschland allemal. Das zeigt ein Vergleich der Autobahngebühren in Europa deutlich: Während Pkws auf Schnellstraßen in Spanien mit durchschnittlich acht Cent pro Autobahnkilometer zur Kasse gebeten werden, sind es in Kroatien nur 5,3 Cent, in Slowenien nur fünf - und beim nördlichen Nachbarn wird flächendeckend bis dato noch gar nichts kassiert.

Österreich, wo die staatliche Straßenfinanzierungsgesellschaft Asfinag zwar dringend eine Erhöhung der Vignette bräuchte, aber bei Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach vor der Nationalratswahl keinesfalls eine beantragen darf, kostet die Vignette pro Pkw und Jahr 72,60 Euro. Umgelegt auf die 1895 Kilometer Autobahn in der Alpenrepublik und die 19.084 Millionen Kilometer, die in- und ausländische Pkws im so genannten Vignettennetz im Jahr 2005 zurückgelegt haben, ergibt sich daraus ein durchschnittliches Kilometerentgelt von 1,59 Cent pro Pkw.

Gemessen wird diese Kilometerleistung von der Asfinag nicht wie früher über Hochrechnungen auf Basis der an heimischen Tankstellen verabreichten Benzin- und Dieselverkaufsmengen, sondern an diversen Zählstellen, die die staatlichen Autobahnbauer entlang des hochrangigen Straßennetzes eingerichtet haben. Um präzisere Daten zu erhalten, wie man im Infrastrukturministerium versichert. Von diesen Daten der Zählstellen werden die über das elektronische Lkw-Mautsystem erfassten Daten des Schwerverkehrs in Abzug gebracht.

Nicht enthalten sind in diesen 1,6 Cent pro Kilometer die so genannten Sondermauten, also jene Zusatzgebühren, die für die Benützung der Alpenquerungen, also Brenner-, Pyhrn- und Tauernstrecke verrechnet werden. Sie erhöhten die Pkw-Mauterlöse der Asfinag im Jahr 2005 um 113 Millionen Euro auf insgesamt 416 Millionen Euro - und treiben damit den durchschnittlichen fahrleistungsbezogenen Kilometerpreis einer Autobahnfahrt auf 2,03 Cent.

Ein Blick auf die Übersicht (siehe Grafik)zeigt: Österreich und Deutschland haben bei den Preisen für die Autobahnen- und Schnellstraßenbenützung noch einiges an Spielraum nach oben. Da sich vor der Wahl alle Parteien gegen eine Pkw-Maut ausgesprochen haben, dürfte demnächst wohl eine kräftige Vignettenerhöhung ins Haus stehen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.7.2006)

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    grafik: asfinag/standard
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