Fünf Jahre Lebenspartnerschaft in Deutschland

31. Juli 2006, 07:03
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Bisher rund 20.000 Verbindungen geschlossen - Recht auf gemeinsamen Familiennamen und gegenseitigem Unterhalt

Berlin - Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes sind Hochzeiten homosexueller Paare in Deutschland fast zur Normalität geworden. Vor allem Männer entscheiden sich für das am 1. August 2001 eingeführte Trauungsritual, ergab eine dpa-Umfrage. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) geht in Schätzungen deutschlandweit von inzwischen etwa 20.000 Lebenspartnerschaften aus. Zunehmend gibt es aber auch Scheidungen.

Zeugnisverweigerungsrecht

Das Lebenspartnerschaftsgesetz wurde von der früheren rot-grünen Regierung in die Wege geleitet und im November 2000 gegen die Stimmen von Unionsparteien und FDP vom Bundestag beschlossen. Es räumt homosexuellen Paaren das Recht auf einen gemeinsamen Familiennamen ein und verpflichtet sie zum gegenseitigen Unterhalt. LebenspartnerInnen haben ebenso wie EhegattInnen bei Strafverfolgung ein Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht.

Stiefkindadoption

Nach einer Überarbeitung des Gesetzes haben Homosexuelle die in einer Lebenspartnerschaft leben seit dem Vorjahr das Recht, die leiblichen Kinder ihrer LebenspartnerInnen zu adoptieren. Der so genannten Stiefkindadoption muss der andere leibliche Elternteil des Kindes zustimmen und das Jugendamt muss prüfen, ob sie dem Kindeswohl entspricht. Eine gemeinschaftliche Adoption von Kindern ist schwulen oder lesbischen Paaren aber weiterhin verwehrt.

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind LebenspartnerInnen den Ehepaaren gleichgestellt, beim Tod eines/einer PartnerIn haben sie Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente. Für die BeamtInnenversorgung und die meisten berufsständischen Versorgungswerke wie Ärzte- oder Anwaltskammern gilt dies hingegen nicht. Auch bei anderen beamtenrechtlichen Regelungen, etwa der Beihilfe für medizinische Leistungen oder dem Familienzuschlag, bestehen weiterhin Nachteile.

"Ehe-Boom" ungebrochen

Die Hauptstadt Berlin ist Metropole der Schwulen- und Lesbenszene. Im vergangenen Jahr lebten hier mehr als 4150 Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Der Ehe-Boom unter Homosexuellen ist nach Einschätzung der Berliner Standesämter noch immer ungebrochen. In Bayern wurden in den vergangenen fünf Jahren 2041 Lebenspartnerschaften geschlossen, 51 Paare trennten sich wieder. In Schleswig-Holstein gingen bis Ende 2005 rund 680 Menschen eine solche Bindung ein. In Sachsen-Anhalt wurden rund 200 "Homo- Ehen" registriert, in Sachsen 320 und in Thüringen 116.

In einigen Bundesländern können homosexuelle Paare auch außerhalb der Standesämter heiraten. In der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart ist der Zoo, in Berlin der Fernsehturm am Alexanderplatz ein solcher Wunschort. Die meisten Paare entschieden sich den Angaben zufolge aber für die schlichte Zeremonie im Standesamt selbst. Beim Notar müssen Paare in Bayern ihre Partnerschaft eintragen lassen. Nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbandes nehmen auch Paare aus anderen Bundesländern diesen Service in Anspruch, wenn ihnen die Heiratsmöglichkeiten zu Hause nicht gefallen.

Mehr Männer heiraten

Auffällig ist nach Einschätzung der Standesämter, dass weitaus mehr männliche Paare eine Lebenspartnerschaft besiegeln. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden wurden nur 46 lesbische, aber 112 schwule Paare verheiratet. In Bayern ist nur jede dritte geschlossene Lebenspartnerschaft zwischen Lesben. "Frauen scheinen den rechtlichen Rahmen nicht so sehr zu benötigen", mutmaßt der Berliner Standesbeamte Uwe Strunk. Der LSVD ist dagegen der Auffassung, dass Frauen die gegenwärtige Rechtslage kritischer beurteilen und sich deshalb mit eingetragenen Partnerschaften zurückhalten. (APA/dpa)

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    Frauen scheinen den rechtlichen Rahmen nicht so sehr zu benötigen: mehr Schwule denn Lesben haben sich in den vergangenen fünf Jahren verheiratet.
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