Lorenz will "komplette Neuaufstellung" im Fernsehen

30. Juli 2006, 19:03
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Fünf Direktoren und ein Generalsekretär - "Mit ein paar Reparaturen wird man da nicht auskommen"

Eine "innere und äußere Kulturwende" für den ORF plant ORF-Programmplaner Wolfgang Lorenz im Falle seiner Bestellung bei der Generaldirektoren-Wahl am 17. August. Zum einen sollte sich die Politik aus den "inneren Angelegenheiten des ORF heraushalten" und "nicht selbst die Geschäftsführung übernehmen wollen", zum anderen "ist das wichtige Biotop Unternehmenskultur neu anzupflanzen", wie Lorenz in seinem Bewerbungskonzept, das der APA vorliegt, schreibt.

Die Anzahl der Direktionen will Lorenz - wie seine Kontrahentin Monika Lindner - auf fünf verringern. Die geplante Geschäftseinteilung: Informationsdirektion, Programmdirektion, Hörfunkdirektion, Kaufmännische Direktion, Technische Direktion. Die bisherige Online-Direktion soll demnach eine Stabstelle in der Generaldirektion werden, weil "Online und Neue Medien praktisch alle Unternehmens- und Programmbereiche des künftigen ORF betreffen, und daher einer zentralen Steuerung bedürfen".

Verschmelzung von Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Art Direktion

Darüber hinaus will Lorenz den Posten des Generalsekretärs wieder einführen. Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Art Direktion sollen dafür zu einem Bereich verschmolzen werden. Nur eine "perfekte Teamarbeit" innerhalb einer Geschäftsführung bestimme dabei Zielsetzung, Arbeitsprozesse und deren Ergebnisse. "Wer heute noch glaubt, ein Unternehmen gegen die Mitarbeiter führen zu können, irrt", so Lorenz.

Den ORF möchte der Programmplaner als "Leitmedium" positionieren. Änderungen plant er vor allem in der "Großbaustelle" Fernsehen: "ORF 1 und ORF 2 bedürfen einer kompletten Neuaufstellung, schematisch, inhaltlich und formal. Das Programm verharrt seit Jahren in einem obsoleten Status, festgefahren in eigenen Dogmen, erstarrt in Klischees, inhaltlich schwächelnd, formal ohne durchgängiges Design, fremdbestimmt durch gekaufte Dutzendware, zu wenige Originale bietend und vor allem: es unterwandert den öffentlich-rechtlichen Auftrag und verliert dennoch dramatisch bei den Jüngeren ohne die Älteren überproportional bei der Programmstange halten zu können. Die Gesamtquoten sinken schleichend, die Qualität der Gesamtperformance rapide."

"Alarmierender Imagedefekt"

Von einem "alarmierenden Imagedefekt" schreibt Lorenz in seinem Papier. "Mit ein paar Reparaturen wird man da nicht auskommen", so das Urteil des bürgerlichen Kandidaten. Ein neues Sendeschema soll den "Gesamtauftritt optimieren". So schweben dem 62-Jährigen "neue Senderprofile" vor, "die eine gesellschaftspolitisch bedenkliche Zumutung, ORF 1 sei jung, urban und dumm, ORF 2 erwachsener, rural und nicht ganz so dumm, auflösen. Zwei neue Profile, die nicht auseinanderschauen, sondern zusammen, um dem ORF insgesamt ein neues Gesicht der Wiedererkennbarkeit zu geben." Zeitzonen und Programmflächen seien entsprechend "neu zu definieren".

Dies soll freilich nicht an Ansprüchen und Notwendigkeiten der Werbung vorbei zielen, so Lorenz. "Der Vorabend und erste Hauptabend müssen populärer programmiert sein, als der zweite Haupt- und der Spätabend, alles andere wäre weltfremd und wirtschaftlich bedenklich." (APA)

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