Erste freie Wahlen seit über 40 Jahren

30. Juli 2006, 18:29
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Über 25 Millionen Wahlberechtigte - Enorme internationale Beteiligung an der Wahlbeobachtung - EU-Truppe im Einsatz

Kinshasa - In der demokratischen Republik Kongo haben am Sonntag die ersten freien Wahlen nach dem Abzug der belgischen Kolonialmacht 1959 begonnen. Die Wahllokale öffneten wie geplant um 6.00 Uhr früh. Um das Präsidentenamt im früheren Zaire bewerben sich mehr als 30 KandidatInnen, darunter Amtsinhaber Joseph Kabila. Fast 10.000 KandidatInnen streben einen der rund 500 Parlamentssitze an. Das Sicherheitsaufgebot ist enorm.

"Schlussstrich" unter Bürgerkrieg

Mit der Abstimmung soll ein endgültiger Schlussstrich unter den Bürgerkrieg von 1998 bis 2003 gezogen werden, in den sechs Nachbarstaaten verwickelt waren und in dessen Folge rund vier Millionen Menschen vorwiegend an Hunger und Krankheiten starben. In den vergangenen Tagen ist es jedoch immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen bei Wahlkampfkundgebungen gekommen. Erst am Donnerstag starben dabei sechs Menschen. 80.000 kongolesische Sicherheitskräfte, mehr als 17.000 UNO-Soldaten sowie eine 2.000 Mann umfassende EUFOR-Truppe sollen die Wahlen schützen.

Aufruf zum Urnengang

Die aus 53 Ländern bestehende Afrikanische Union rief die Kongolesen am Samstag auf, in großer Zahl zu den Urnen zu gehen und sich dabei friedlich zu verhalten. Am Sonntag werden Schulen, Kirchen und Zelte in rund 50.000 Wahllokale umgewandelt. In vielen schwer zugänglichen Teilen des Landes mit der Größe Westeuropas mussten die Wahlzettel in Rucksäcken oder Kanus zu den Wahllokalen gebracht werden.

Kabila als Favorit

Als Favorit für den Präsidentenposten geht der 35-jährige Amtsinhaber Joseph Kabila ins Rennen. Er folgte in diesem Amt auf seinen Vater Laurent, der 2001 ermordet worden war. Sollte kein Kandidat in der ersten Runde mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, ist für Ende Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten geplant. Die Behörden hoffen, dass sie bis Mitte September Ergebnisse der ersten Runde präsentieren können. (Red/APA)

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    Bewohner von Kinshasa am Samstag beim Zeitungslesen.

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