Blaue Empörung über Schlingensief-Installation: "Perverses Kulturverständnis"

31. Juli 2006, 15:20
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Salzburger FPÖ hat kein Verständnis für "Chickenballs. Der Hodenpark", ein skurril-sexistisches Spiel mit Mozart-Devotionalien: "Pseudokünstler"

Salzburg - "Das ist peinliche Scharlatanerie und Produkt eines perversen Kulturverständnisses, als würden die schlechten Erfahrungen mit der (Markus) Lüpertz-Figur und dem 'Kontracom-Schrott' nicht reichen". So kritisierte Doris Tazl, Klubobfrau der FPÖ in der Stadt Salzburg, am Montag die Samstag (29.7.)

eröffnete Ausstellung von Christoph Schlingensief im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg. Das Salzburger Museum der Moderne dürfe sich für so etwas nicht hergeben, so die Klubobfrau entrüstet.

"Provozierender Pseudokünstlers" wettert Tazl

Salzburg habe jetzt mit der Sommerausstellung von Christoph Schlingensief mit dem bezeichnenden Titel "Chickenballs. Der Hodenpark" im Museum der Moderne schon wieder einen Kulturskandal, so Tazl. Es sei nicht Aufgabe eines öffentlichen und vom Steuerzahler finanzierten Museums, die Menschen mit geschmacklosen Selbstverwirklichungsexzessen eines provozierenden Pseudokünstlers zu belästigen.

Tazl appellierte an die für das Museum verantwortlichen Stellen und an die Kulturpolitik von Stadt und Land, die für die Schlingensief-Ausstellung Verantwortlichen zu disziplinieren. Die Ausstellung sei "ein geschmackloses Sammelsurium wirrer Ideen", für das sich ein Salzburger Museum nicht hergeben und zur Bühne machen dürfe, so Tazl.

Schräge Installation und Bekenntnis zur "eigenen Scheiße"

Schlingensief versteht seinen Animatograf Nummer sechs als eine "lebende Weltmaschine" als Wagnerianisches Gesamtkunstwerk und als Bekenntnis zur "eigenen Scheiße". Tatsächlich vermischen sich in dieser begehbaren Installation mit dem Titel "Chickenballs. Der Hodenpark" Videobilder, die aktuell in Salzburg gedreht wurden, mit radikal verschrägten Mozart-Devotionalien und sexistischer Aktionskunst hart am Porno.

Die Szene ist muffig und stickig, im bunt und düster vollgepackten Raum steht eine abgeschlissene Drehbühne mit allerlei dreckig vollgeschmierten, hölzernen Verschlägen. Drin türmen sich Pappmache und Fernsehschirme, in denen Hitlers Jungs versuchen, einen Vogel Strauß zu schlachten, oder Mozarts Zeitgenossen mit Perücken auf dem Kopf auf das Wunderkind in der Badewanne onanieren.

Gegenüber sitzt der Salzburger Maestro höchstpersönlich, spielt mit seinem Geschlecht und schleckt sich genüsslich das Sperma von den Lippen, das ihm kübelweise übers Gesicht geschüttet wird. An den Wänden Männer-Genitalien in Großaufnahme, überall stehen Spinde mit Gucklöchern, darin klopfen skurril ins Mozart-Dress gepackte Liliputaner auf ein Cembalo und über allem Sex-Gestöhne und Wagners Götterdämmerung vom Band.

"Hülle und Inhalt, Sack und Eier."

"Keine Offenbarungen, keine Erlösungsfantasien", steht im Pressetext, nur "Hülle und Inhalt, Sack und Eier." Schlingensief selbst hat bei der Eröffnung darauf hingewiesen, dass es nicht um Provokation geht: "Wir müssen uns wieder verwirren lassen, damit wir wieder sehen können, damit wir endlich einen Blick auf uns riskieren, schließlich waren gerade Mozart und Wagner zwei echte Sauschweine, die ordentlich hingelangt hatten."

Gerammelt voll war der von Schlingensief bearbeitete Teil des Museums - Blockabfertigung und entsprechende Wartezeiten inklusive. Die begehbare Installation "Chickenballs. Der Hodenpark" ist Teil der Sommerausstellung "Les grands spectacel II" und bleibt bis zum 8. Oktober 2006 geöffnet. (APA/red)

  • Artikelbild
    foto: www.schllingensief.com
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    foto: www.schllingensief.com
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