Militärexperte: Libanon-Friedenstruppe derzeit unrealistisch

29. Juli 2006, 12:38
posten

Bei Hisbollah-Entwaffnung "nicht besser aufgestellt" als israelische Armee

Berlin - Auch eine mit einem "robusten" UNO-Mandat ausgestattete internationale Friedenstruppe im Libanon wäre bei der Entwaffnung der Schiitenmiliz Hisbollah "nicht besser aufgestellt als es die israelischen Streitkräfte jetzt sind", meint der deutsche Militärexperte Sascha Lange von der Berliner "Stiftung Wissenschaft und Politik". Die Effektivität der israelischen Armee sei gegenüber dem "sehr asymmetrisch operierenden Gegner Hisbollah nicht sehr groß", sagte Lange am Samstag in Berlin.

Der Experte hält den Einsatz einer internationalen Friedenstruppe im Libanon, die mindestens 10.000 Soldaten umfassen müsste, unter den derzeitigen Rahmenbedingungen für unrealistisch. Die Aufstellung würde "maßgeblich davon abhängen, ob Israel und die Hisbollah die Waffen ruhen lassen und zu einer politischen Einigung kommen". Derzeit gebe es dafür aber auf keiner der Seiten den Willen.

Vielmehr habe es den Anschein, dass die Konfliktparteien gewillt seien, "es auf die Spitze zu treiben und die internationale Gemeinschaft gegen die jeweils andere Seite zu mobilisieren". Eine Friedenstruppe könnte in einem solchen Umfeld schnell parteiisch wirken, gerade wenn sie überwiegend westlich geprägt sei. Das würde in der arabischen Bevölkerung derzeit "wohl eher als Dominierungsbestrebung gegen den Islam angesehen", sagte der Experte. (APA)

Share if you care.